Emmanuel Geibel: Hoffnung

  Und dräut der Winter noch so sehr Mit trotzigen Gebärden, Und streut er Eis und Schnee umher, Es muß d o c h Frühling werden. Und drängen die Nebel noch so dicht Sich vor den Blick der Sonne, Sie wecket doch mit ihrem Licht Einmal die Welt zur Wonne. Blast nur ihr Stürme,...
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Hermann Claudius: Lied im Advent

Lied im Advent Immer ein Lichtlein mehr im Kranz, den wir gewunden, dass er leuchte uns sehr durch die dunklen Stunden. Zwei und drei und dann vier ! Rund um den Kranz welch ein Schimmer, und so leuchten auch wir, und so leuchtet das Zimmer. Und so leuchtet die Welt langsam der...
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Fred Endrikat: Der Philosoph ohne Regenschirm

Es ist nicht alles schön auf dieser wunderschönen Welt, Novemberstürme gibt es auch im Monat Mai. Beschimpfe nicht den Regen, der auf dich herniederfällt, Bedenk: Der meiste Regen fällt an dir vorbei. Fred Endrikat (1890 – 1942) So wie der Herbst und auch der Beginn des...
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Georg Trakl: Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. Rund schweigen Wälder wunderbar Und sind des Einsamen Gefährten. Da sagt der Landmann: Es ist gut. Ihr Abendglocken lang und leise Gebt noch zum Ende frohen Mut. Ein Vogelzug grüßt auf der Reise. Es ist der Liebe...
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Karl Friedrich Mezger: Im September

Schon loht die Rebenlaube Purpurn am Haus empor, Und dunkel schaut die Traube Durchs rote Laub hervor! Die Immlein sammeln müde Bei mildem Sonnenschein Aus der Resedenblüte Den letzten Honig ein. Kurz war das Sonnenleben. Bald wird nun – über Nacht – Der Todesengel...
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Rainer Maria Rilke: Spiegelung im Teich

Mag auch die Spieglung im Teich oft uns verschwimmen: Wisse das Bild. Erst in dem Doppelbereich werden die Stimmen ewig und mild. Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) (aus: Die Sonette an Orpheus, I/IX) Womöglich ist es ein Frevel, nur einige Zeilen aus einem Gedicht zu...
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Heinrich Heine: Der Schmetterling ist in die Rose verliebt

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt, Umflattert sie tausendmal, Ihn selber aber, goldig zart, Umflattert der liebende Sonnenstrahl. Jedoch, in wen ist die Rose verliebt? Das wüßt ich gar zu gern. Ist es die singende Nachtigall? Ist es der schweigende Abendstern? Ich weiß...
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Gustav Falke: Wissen die Kinder auch zumeist

Wissen die Kinder auch zumeist noch nicht viel vom Heiligen Geist, die Hauptsache spüren sie fein und rein: Heut müssen wir fröhlichen Herzens sein. (Gustav Falke, 1853 – 1916) So ganz genau wusste ich auch lange nicht, was es so ganz genau mit diesem Pfingstfest und dem...
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Karl Ernst Knodt: Die Wasser tragen alles

Die Wasser tragen alles: Leg‘ nur dein Glück darauf! Sie heben’s wie auf Händen Zum Sternenlicht hinauf. Die Wasser tragen alles: Leg‘ auch dein Leid darauf! Sie tragen’s nach dem Meere In nimmermüdem Lauf. Karl Ernst Knodt (1856 – 1917) Immer noc...
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Ludwig Uhland: Die Schlacht bei Reutlingen

  Zu Achalm auf dem Felsen, da haust manch kühner Aar, Graf Ulrich, Sohn des Greiners, mit seiner Ritterschaar; Wild rauschen ihre Flüge um Reutlingen die Stadt, Bald scheint sie zu erliegen, vom heißen Drange matt.“ Doch plötzlich einst erheben die Städter sich zu Nach...
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