Rainer Maria Rilke: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein...
Weiterlesen …

Rainer Maria Rilke: Spiegelung im Teich

Mag auch die Spieglung im Teich oft uns verschwimmen: Wisse das Bild. Erst in dem Doppelbereich werden die Stimmen ewig und mild. Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) (aus: Die Sonette an Orpheus, I/IX) Womöglich ist es ein Frevel, nur einige Zeilen aus einem Gedicht zu...
Weiterlesen …

Rainer Maria Rilke: Ende des Herbstes

Ich sehe seit einer Zeit, wie alles sich verwandelt. Etwas steht auf und handelt und tötet und tut Leid. Von Mal zu Mal sind all die Gärten nicht dieselben; von den gilbenden zu der gelben langsamem Verfall: wie war der Weg mir weit. Jetzt bin ich bei den leeren und schaue durch...
Weiterlesen …

Rainer Maria Rilke: Spaziergang

  Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten, dem Wege, den ich kaum begann, voran. So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten, voller Erscheinung, aus der Ferne an — und wandelt uns, auch wenn wir’s nicht erreichen, in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind; ein...
Weiterlesen …

Rainer Maria Rilke: Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt und manche Tanne ahnt wie balde sie fromm und lichterheilig wird. Und lauscht hinaus: den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin – bereit und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit....
Weiterlesen …

Rainer Maria Rilke: Herbsttag

  Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren laß die Winde los. Befiehl den letzten Früchten reif zu sein gib Ihnen noch zwei südlichere Tage dräng sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren...
Weiterlesen …