Joseph von Eichendorff: Der Abend

  Schweigt der Menschen laute Lust: Rauscht die Erde wie in Träumen wunderbar mit allen Bäumen, was dem Herzen kaum bewusst, alte Zeiten, linde Trauer, und es schweifen leise Schauer wetterleuchtend durch die Brust. Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) Dieser Februar...
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Rainer Maria Rilke: Spaziergang

  Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten, dem Wege, den ich kaum begann, voran. So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten, voller Erscheinung, aus der Ferne an — und wandelt uns, auch wenn wir’s nicht erreichen, in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind; ein...
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Neujahrsrezept von Katharina Elisabeth Goethe

Man nehme zwölf Monate putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein ganzes Jahr reicht. Nun wird jeder Tag einzeln angerichtet aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor....
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Heinrich Seidel: November

Solchen Monat muß man loben: Keiner kann wie dieser toben, Keiner so verdrießlich sein Und so ohne Sonnenschein! Keiner so in Wolken maulen, Keiner so mit Sturrmwind graulen! Und wie naß er alles macht! Ja, es ist die wahre Pracht. Seht das schöne Schlackerwetter! Und die armen...
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Conrad Ferdinand Meyer: Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl, und fallend gießt Er voll der Marmorschale Rund, Die, sich verschleiernd, überfließt In einer zweiten Schale Grund; Die zweite gibt, sie wird zu reich, Der dritten wallend ihre Flut, Und jede nimmt und gibt zugleich Und strömt und ruht. Conrad Ferdinand...
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Friedrich Hölderlin: Abendphantasie

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd. Gastfreundlich tönt dem Wanderer im Friedlichen Dorfe die Abendglocke. Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch, In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts Geschäftger Lärm; in...
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Friedrich Hölderlin: Der Spaziergang

Ihr Wälder schön an der Seite, Am grünen Abhang gemalt, Wo ich umher mich leite, Durch süße Ruhe bezahlt Für jeden Stachel im Herzen, Wenn dunkel mir ist der Sinn, Den Kunst und Sinnen hat Schmerzen Gekostet von Anbeginn. Ihr lieblichen Bilder im Tale, Zum Beispiel Gärten und...
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Karl Gerok: Blühender Mohn

  Blaue, linde Sommerwinde, Wiegt mein Mohnfeld leicht und leis, Daß die blanken Blüten schwanken, Rosenrot und lilienweiß! Junisonne, Sommerwonne Stehn auf ihrer Höhe schon, Deiner Fahnen Leises Mahnen, Wohl vernehm‘ ich’s, bunter Mohn! Sinnend steh‘ ich,...
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Ludwig Uhland: Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muß sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Da...
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Wilhelm Busch: Das Frühlingstheater……

Daß die Erde inwendig noch munter ist, seh ich zu zu meiner Freude an den Schneeglöckchen und dem Krokus. Die Schneeglöckchen, ohne Furcht vor der grimmigsten Kälte, spitzen fleissig nach oben. Sie müssen sich tummeln, daß sie fertig sind, eh das Gesträuch überher Blätter kriegt...
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