Theodor Storm: Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe, Und Dämmerung bricht herein; Über die feuchten Watten Spiegelt der Abendschein. Graues Geflügel huschet Neben dem Wasser her; Wie Träume liegen die Inseln Im Nebel auf dem Meer. Ich höre des gärenden Schlammes Geheimnisvollen Ton, Einsames Vogelrufen...
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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Der Reif

Der Reif ist ein geschickter Mann: O seht doch, was er alles kann! Er haucht nur in den Wald hinein, Wie ist verzuckert schön und fein Ein jeder Zweig und Busch und Strauch Von seinem Hauch! Wie schnell es ihm von Händen geht! Kein Zuckerbäcker das versteht. Und alles fein und...
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Rainer Maria Rilke: Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt und manche Tanne ahnt wie balde sie fromm und lichterheilig wird. Und lauscht hinaus: den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin – bereit und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit....
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Barthold Hinrich Brockes: Herbstgedanken

Da ich die grüne Pracht der Bäume zärtlich liebe Und folglich mich anjetzt im Herbst bei ihrem Fall, Bei der Entblätterung der Wipfel überall Und der Vernichtigung des Laubes recht betrübe, So deucht mir doch, ob hör ich sie im Fallen Zu meinem Troste dies mit sanftem Lispeln...
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Rainer Maria Rilke: Herbsttag

  Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren laß die Winde los. Befiehl den letzten Früchten reif zu sein gib Ihnen noch zwei südlichere Tage dräng sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren...
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Johann Wolfgang von Goethe: Regenbogen über den Hügeln einer anmutigen Landschaft

Grau und trüb und immer trüber Kommt das Wetter angezogen, Blitz und Donner sind vorüber, Euch erquickt ein Regenbogen. Frohe Zeichen zu gewahren Wird der Erdkreis nimmer müde; Schon seit vielen tausend Jahren Spricht der Himmelsbogen: Friede. Aus des Regens düstrer Trübe Glänzt...
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Otto Bierbaum: Wenn im Sommer der rote Mohn

Wenn im Sommer der rote Mohn wieder glüht im gelben Korn, wenn des Finken süßer Ton wieder lockt im Hagedorn, wenn es wieder weit und breit feierklar und fruchtstill ist, dann erfüllt sich uns die Zeit, die mit vollen Maßen misst. Dann verebbt, was uns bedroht, dann verweht, was...
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Theodor Däubler: Weg

Mit dem Monde will ich wandeln: Schlangenwege über Berge Führen Träume, bringen Schritte Durch den Wald dem Monde zu. Durch Zypressen staunt er plötzlich, Daß ich ihm entgegengeh, Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd, Wenn mich’s friedlich talwärts zieht. Schlangenwege durch...
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Johann Wolfgang von Goethe: Pfingsten, das liebliche Fest

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; es grünten und blühten Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken. Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel; Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen. Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig...
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Johann Gabriel Seidl: Die Uhr

Ich trage, wo ich gehe, Stets eine Uhr bei mir; Wie viel es geschlagen habe, Genau seh ich an ihr. Es ist ein großer Meister, Der künstlich ihr Werk gefügt, Wenngleich ihr Gang nicht immer Dem törichten Wunsche genügt. Ich wollte, sie wäre rascher Gegangen an manchem Tag; Ich...
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