285 S.
ISBN 978-3-7160-2715-8
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Länger als sonst ist nicht für immer

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Beschreibung

Auf den neuen Roman von Pia Ziefle war ich gespannt, denn ihr Debüt “Suna” habe ich ausgesprochen gerne gelesen. Es ist immer spannend, ob es einem Autor oder einer Autorin gelingt, mit den nachfolgenden Büchern Erfolg zu haben. Diesem Buch traue ich es zu, obwohl es natürlich ganz anders ist, als Suna, das doch stark von eigenem Erleben geprägt ist.

Worum geht’s? Pia Ziefle erzählt von 2 Schicksalen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben: Da ist Lew aus Ostberlin, der Mitte der 70er Jahre mit seinem Bruder in eine neue Familie kommt, nachdem seine Eltern Republikflucht begangen haben. 2005 erhält er die Nachricht, daß seine leibliche Mutter ums Leben kam und macht sich auf die Reise nach Indien, um endlich mit seinem Vater über die Vergangenheit zu sprechen.

Und da ist Ira, die Mitte der 70er Jahre in Tübingen geboren wird und die von ihrer Mutter nicht geliebt wird, vom Vater jedoch zu sehr. Ihre Ersatzfamilie findet sie in Evis Backstube und bei Fido mit seinem Großvater, die aus Jugoslawien nach Deutschland kamen und nie mehr in ihre Heimat zurückkehren werden.

Fast über das ganze Buch hinweg laufen die beiden Handlungsstränge nebeneinander her und man fragt sich, was eigentlich das verbindende Element sein könnte. Dies klärt sich erst ganz am Ende des Buches und eine Perspektive scheint möglich.

Manche Themen kennt man aus Suna: Das Thema Adoption, das hier aber völlig anderes besetzt ist ebenso wie das Schicksal der jugoslawischen Gastarbeiter – hier scheint es sich um “Lebensthemen” der Autorin zu handeln. Gleichzeitig wird aber ein Bild bundesrepublikanischer Geschichte gezeichnet: Von der DDR bis hin zur Wende, von den Wirren schulischer Erziehungsentwürfe bis hin zum Anwerbeabkommen für Gastarbeiter in den 70er Jahren und deren Auswirkungen auf die Familienstrukturen. Mir hat dabei die ganz eigene Sprache, die Pia Ziefle auch in diesem Buch gefunden hat, besonders gut gefallen. Ihre Figuren sind besonders und man begleitet sie mit Anteilnahme durch die Wirren ihres Lebens.

Es ist ein ganz anderes Buch als Suna – darauf sollte man sich einstellen. Aber wer sich einlässt auf die Geschichte, der wird mit einem spannenden Leseerlebnis belohnt!

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Über die Autorin/den Autor
war die Chefin der Schiller Buchhandlung und verantwortlich dafür, daß der Laden lief. Ihre Hauptaufgaben waren neben dem Verkauf die Betreuung der Website und der Social Media Aktivitäten, die Organisation der Veranstaltungen, der Wareneinkauf und die Oberhoheit über die Zahlen. Nach der Schließung der Buchhandlung im Februar 2018 hat sie die Webseite der Buchhandlung in diesen Blog umgewandelt. Sie liest weiter und berichtet über ihre Bucherlebnisse hier.