„Ich schreibe immer über Menschen“. Buchpremiere mit Oliver Bottini im Literaturhaus Frankfurt
Am 18.5.2026 stellte Oliver Bottini seinen neuen Thriller „Die Summe aller Dinge“ im Literaturhaus Frankfurt vor. Moderiert wurde der Abend von Cécile Schortmann. Es handelte sich um eine Hybridveranstaltung, d.h. nicht nur das Publikum vor Ort konnte teilnehmen, sondern es gab auch einen Livestream. Nachdem ich das Buch wenige Tage zuvor verschlungen hatte, wollte ich mir diese Premiere nicht entgehen lassen.
Für diesen Thriller hatte sich der Autor ein großes Thema vorgenommen: Cum-Ex und Cum-Cum, der größte Finanzskandal der Bundesrepublik. So ein Thema erfordert natürlich extrem viel Recherche sagte er im Gespräch mit Moderatorin Cécile Schortmann. So hat Oliver Bottini sehr viel über dieses raffinierte Betrugssystem gelesen, aber auch Finanzexperten befragt und mit Menschen aus der Staatsanwaltschaft gesprochen. Diese waren sehr vorsichtig, er durfte sie nicht einmal zu einem Kaffee einladen, denn das hätte ja als Bestechung ausgelegt werden können.
Sein Vorsatz war: „Ich will es so komplex machen, wie Cum-Ex ist“, aber er ließ sich auch von dem Voratz leiten, nicht nur schwarz-weiß zu erzählen. Das bedeutete auch, die Menschen so dazustellen, dass auch ihre guten Seiten zum Vorschein kommen. So sind seine Figuren nicht nur gierige Finanzjongleure, sondern auch einfühlsame Freunde, Familienväter und Ehemänner oder wie Zaid, geprägt von einer schwierigen Herkunft. „Ich schreibe immer über Menschen“ sagte er, „dann muss ich sie auch als Menschen darstellen.“ Dabei geht er extrem in seine Figuren hinein. Auch wenn er manche in der Realität zunächst nicht mag, kommen sie ihm im Laufe der Arbeit nahe, so dass er es sehr bedauert, wenn sie sterben.
Wie behält man den Überblick über so eine komplexe und komplizierte Handlung? Mit Hilfe einer Korktafel, auf der die Figuren und die verschiedenen Orte, an denen der Roman spielt, gepinnt sind. Aber manchmal „hat es mir ein bisschen das Hirn gesprengt“ sagte er. Und er schreibt immer chronologisch, das Schreiben nach Orten funktioniert bei ihm nicht, schließlich könne er ja vorher nicht wissen, was den Figuren zwischendurch womöglich passiere.
Seine Antworten, wie er die Namen für sein Handlungspersonal finde, sorgte sicher nicht nur bei mir für ein gewissen Schmunzeln: Er nutzt für die Vornamen gerne eine Datenbank mit Babynamen, befragt aber manchmal auch die KI – schließlich müssen die Namen, die er seinen Figuren gibt jeweils auch zu der Zeit, in der sie geboren werden, passen. Auf jeden Fall muss der Name gut für ihn klingen und es kam auch schon vor, dass er eine Figur umgetauft hat. Die Nachnamen findet er im guten alten Duden Familiennamen oder auch im Telefonbuch des Ortes, in dem die Personen jeweils leben.
Zwischendurch gab es natürlich auch Kostproben aus dem neuen Buch und der Abend verging wie im Fluge. Natürlich sah ich am Ende der Veranstaltung die Schlange am Bücher- und Signiertisch nicht, aber ich denke, sie wird nicht gerade kurz gewesen sein!








