432 S.
EAN 9783103971002
ISBN 9783103971002
« zurück

Wo die Wölfe sind

Beschreibung

Vom Vorgängerbuch der Autorin “Zugvögel” hatte ich in verschiedenen Foren gelesen und als ich während unseres Urlaubs in der Buchhandlung “Prosa” in Lübeck über ihr neues Buch stolperte, nahm ich es gleich mit. Ich lese gerne Bücher, in denen auch Naturthemen eine Rolle spielen. In diesem geht es um das Wiederansiedeln von Wölfen, um das Gleichgewicht in den Wäldern Schottlands wiederherzustellen und vor dem Hintergrund, daß diese Tiere auch in Deutschland wieder heimisch werden, fand ich das interessant.

Der Inhalt

Inti Flynn kommt nach Schottland, um Wölfe in den Highlands wiederanzusiedeln. Als Wissenschaftlerin weiß sie, dass die wilden Tiere die einzige Rettung für die zerstörte Landschaft sind. Als Frau hofft sie auf einen Neuanfang. Sie ist nicht mehr die, die sie einst war, hat sich von den Menschen zurückgezogen. Denn die Wolfsbiologin besitzt die seltene Fähigkeit, Gefühle von anderen Lebewesen körperlich nachzuempfinden. Als ein Farmer tot aufgefunden wird und eine Hetzjagd auf ihre Tiere beginnt, muss sie sich ihren Ängsten stellen: Ist der Wolf oder der Mensch die Bestie in den Wäldern? Und wird sie je wieder menschliche Nähe zulassen können – oder von der Wildnis verschlungen werden, die sie retten will? (© Fischer Verlage)

Meine Meinung

Dieser Roman liest sich ausgesprochen spannend und süffig. Schon nach wenigen Sätzen war ich drin in der Geschichte und habe das Buch an nur zwei Abenden verschlungen.

Inti ist ein besonderer Mensch, denn sie muss mit einer neurologischen Störung leben, der Mirror-Touch-Synästhesie: Ihr Gehirn spürt die Sinneseindrücke anderer Lebewesen, Menschen und Tiere. Das was sie fühlen, Schmerz oder angenehme Empfindungen, spürt sie, als wären es ihre eigenen und sie reagiert darauf auch so, als wären es ihre eigenen. Auf den ersten Blick mag das faszinieren, Itti jedoch strengt es unendlich an und sie würde viel darum geben, diese Eigenschaft nicht zu haben. Für das Projekt, an dem sie in den schottischen Highlands mitarbeitet, ist es sogar hinderlich, weil sie auf jeden Fall Distanz zu den Tieren halten muss, egal, was ihnen im Laufe des Experiments zustossen könnte. Denn die Foschergruppe wird von den umgebenden Landwirten angefeindet, die um ihre Herden fürchten. Diesen Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft kenne ich auch aus vielen Berichten über die Rückkehr der Wölfe. Inti und ihre Kollegen versuchen, den Menschen im Dorf ihre Ängste zu nehmen und so entsteht ganz nebenbei auch ein Psychogramm des Dorfes und der Beziehungen seiner Bewohner:innen.

Tatsächlich wird, kurz nachdem die Wölfe ausgewildert sind, ein Farmer vermisst und natürlich ist sofort der Verdacht da, daß die Wölfe dafür verantwortlich sind. Eine großangelegte Suchaktion beginnt. Im Gegensatz zu den Dorfbewohner:innen weiß Inti (und damit auch wir Lesenden) von Anfang an, daß kein Wolf für den Tod des Mannes verantwortlich ist, den Inti im Wald tot aufgefunden und vergraben hat. Auch Duncan, der Polizeichef des Ortes, mit dem sie sich vorsichtig anfreundet, scheint nicht an einen Wolfsangriff zu glauben.

Inti lebt, was niemand weiß, mit ihrer Zwillingsschwester Aggie zusammen, die seit einem schrecklichen Vorkommnis nicht mehr spricht. Schon als Kinder hatten die beiden Mädchen eine eigene Gebärdensprache entwickelt, mit der sie nun immer noch kommunizieren. Was Aggie widerfahren ist, das erfahren wir Leser:innen in kurzen Einschüben, die wie Gedankenflashs von Inti wirken.

Das alles bildet eine spannende Mischung, die auf mich einen unwiderstehlichen Sog ausübte. Charlotte McConaghy schreibt dazu in einer schönen Sprache, ich lebte mit ihren Figuren mit und vor allem die Naturbeschreibungen haben mir gut gefallen. Trotzdem wirkte der Roman auf mich insgesamt ein wenig überfrachtet: Natur, ein wenig Kriminalfall, häusliche Gewalt und ein doch etwas überzogenes, wenn auch sehr spannendes Finale, das alles zusammengemengt nahm der Geschichte ein wenig die Glaubwürdigkeit. Hier wäre vielleicht doch etwas weniger Beiwerk mehr gewesen.

Trotzdem: Ich habe das Buch sehr gerne gelesen –  es ist ein spannender Schmöker, der mich prima unterhalten hat! Und der oben erwähnte Erstling der Autorin liegt bereits auf dem SuB!

Wenn Sie sich einen Eindruck vom Stil des Romans machen möchten, können Sie hier einen Blick ins Buch werfen.

Wenn Sie das Buch selbst lesen möchten, können Sie es in den beiden Vaihinger Buchhandlungen buch+musik oder Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Die Links führen direkt in die jeweiligen Webshops.

 

« zurück
Über die Autorin/den Autor
Von 1976 bis 2018 war ich im Buchhandel tätig und von Oktober 1995 bis Februar 2018 die Inhaberin der Schiller Buchhandlung, die ich zuvor fast 5 Jahre als Geschäftsführerin geleitet  habe. Ein Leben ohne Bücher ist für mich auch nach der Schließung meiner Buchhandlung unvorstellbar. Deshalb schreibe ich in der Rubrik "Buchtipps" weiter über meine Lektüreeindrücke. Meine bevorzugten Bücher sind vor allem Krimis, die ich für meine Arbeit als Jurymitglied der "Stuttgarter Kriminächte" regelmäßig lese. Ich lese außerdem literarisches und spannende Unterhaltungsromane. Inzwischen habe ich auch das Hörbuch für mich entdeckt und schaue immer noch gerne in Kinder- und Jugenbücher rein.