259 S.
ISBN 9783947857050
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Andrin

Beschreibung

Dieses Buch erhielt ich vom Mirabilis Verlag als Leseexemplar und wegen unseres Umzugs dauerte es eine Weile, bis ich es lesen konnte. Aber die Tage des Lockdowns, sorgten jetzt für die notwendige Ruhe, die ich brauchte, um mich auf das Buch einlassen zu können. Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

Der Inhalt

Susanne ist Schriftstellerin, arbeitet jedoch auch als Ghostwirterin für ihren Verleger Jupp. Dessen Angebot an Prominente oder solche, die sich dafür halten, ihre Biographien entweder lektorieren oder ganz schreiben zu lassen, läuft prima. Susanne soll nun für einen Kunden seine Biographie schreiben, der das Luxuspaket gebucht hat: Das umfasst nicht nur absolute Diskretion, daß die Biographie von einer Ghostwriterin geschrieben wurde, sondern es werden auf Wunsch auch Lebensläufe dezent angepasst. Leider ist der Auftraggeber zwar zahlungskräftig aber auch unsympathisch und so gerät das Projekt ins Stocken. Jupp bietet Susanne seine Ferienwohnung in Italien an, um ihre Schreibhemmungen zu beseitigen, auf dem Weg dorthin jedoch verhindert ein Steinschlag in den Schweizer Bergen die Weiterfahrt. Susanne verschlägt es an einen abgeschiedenen Bergsee, um den herum einige verfallene Häuser stehen, die von einem Ehepaar nach und nach saniert werden. Sie bieten ihr Obdach und aus der Notübernachtung wird ein immer längerer Aufenthalt. In der Abgeschiedenheit, ohne Internet und Telefon entfernt Susanne sich mehr und mehr von ihrem Projekt, bis sie im Herbst eine Entscheidung treffen muss – soll sie bleiben oder gehen?

Meine Meinung

Dieses Buch hat mir gut gefallen, denn Martina Altschaefer fängt die Atmosphäre der einsamen und abgelegenen Berglandschaft sehr schön ein. Andrin und Uta, das Ehepaar undefinierbaren Alters, bei dem Susanne untergekommen ist, versorgt sich komplett selbst. Es gibt ein Gewächshaus, in dem Tomaten und Zucchini auf unerklärliche Weise überbordend wachsen, 3 Rinder, die  auf den Wiesen weiden und  die Bewohner vor drohendem Steinschlag warnen sollen, weil sie ein besonderes Gespür für Gefahren haben. Während Andrin abends meisterhafte Gerichte kocht und tagsüber die halbverfallenen Häuser der verlassenen Siedlung saniert und modernisiert, sammelt Uta Kräuter, die sie zu Teemischungen verarbeitet. Abends sitzt man in der Küche zusammen und schlemmt. Andrin reicht dazu aus verschiedenen Krügen Wasser, in dem kleine Steine liegen, die eine erstaunlich ähnliche Wirkung entfalten wie Wein oder andere Alkoholika. Susanne versucht, an ihrem Biographieprojekt zu arbeiten, aber sie hängt in der Endlosschleife einer Kindheitserinnerung ihres Auftraggebers fest, aus der sie sich nicht befreien kann. Andrin bei der Arbeit zu helfen, sich körperlich zu fordern und mit ihm zu sprechen ist willkommende Ablenkung.

Es gelingt der Autorin, vieles in der Schwebe zu halten, manchmal bekommt die Handlung fast esoterische Züge. Als Leserin erfuhr ich vieles nur in Andeutungen, was Andrin und Uta früher gemacht haben, womit sie vielleicht so erstaunlich viel Geld verdienen, was es mit dem Koch auf sich hat, der eine Zeitlang im Tal gelebt hat. Ganz handfest wiederum sind die Szenen, in denen Susanne mit Andrin in dem Haus arbeitet, das er gerne vor dem Beginn des Winters noch fertigstellen möchte. Was mich allerdings weniger überzeugt hat, waren die Szenen, in denen die Schreibblockade von Susanne beschrieben wird – das wirkte irgendwann wie ein Fremdkörper auf mich und wiederholte sich. Vielleicht ist aber auch genau dieser Effekt beabsichtigt, um zu zeigen, wie weit Susanne sich von ihrem Leben entfernt hat.

Das Ende des Buches fand ich sehr gelungen, denn es passt perfekt zur ganzen Stimmung und zur Atmosphäre. Gerne hätte ich vieles noch genauer gewusst, aber Martina Altschäfer entlässt ihre Heldin und ihre Leser*innen konsequent mit mancher offenen Frage wieder in die Realtiäten des Alltags.

Fazit: Ein Buch, das trotz wenig äußerer Handlung eine Spannung entwickelt, die mich bis zum Ende nicht losgelassen hat. Lesenswert!

Martina Altschaefer ist von Haus aus Künstlerin, auf ihrer Website können Sie sich einen Eindruck von ihrer Kunst machen.

Wenn Sie sich einen Eindruck vom Stil des Buches machen möchten, finden Sie hier eine Leseprobe

Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es in den beiden Vaihinger Buchhandlungen buch+musik oder Vaihinger Buchladen bestellen.

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Susanne Martin
Über die Autorin/den Autor
war die Chefin der Schiller Buchhandlung und verantwortlich dafür, daß der Laden lief. Ihre Hauptaufgaben waren neben dem Verkauf die Betreuung der Website und der Social Media Aktivitäten, die Organisation der Veranstaltungen, der Wareneinkauf und die Oberhoheit über die Zahlen. Nach der Schließung der Buchhandlung im Februar 2018 hat sie die Webseite der Buchhandlung in diesen Blog umgewandelt. Sie liest weiter und berichtet über ihre Bucherlebnisse hier.