Lena Schätte gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Preis 2026

© Amrei Marie (via Wikimedia Commons)
Lena Schätte war im 4. Quartal 2025 Stipendiatin im Stuttgarter Schriftstellerhaus. Ich erlebte sie bei einer Lesung in der Stadtbibliothek, bei der sie ihren Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ vorstellte.
Sie ist von Haus aus Psychiatriekrankenschwester und arbeitete im Suchtbereich. In diesem Roman beschreibt sie vor allem, was Alkoholsucht mit den Kindern in Familien macht. Mich haben sowohl der Roman als auch das Auftreten von Lena Schätte beeindruckt, eine Autorin, die dem Literaturbetrieb eher fern ist und die für sich durchaus die Perspektive sah, wieder in ihren Beruf zurückzukehren, ganz einfach weil er sie, wie sie damals sagte, erde.
Als ich mitbekam, dass Lena Schätte beim Bachmannpreis lesen würde, schaute ich mir natürlich ihre Lesung an und war gespannt, was mich erwarten würde. Schließlich hatte sie in der Stadtbibliothek mit einem verschmitzten Grinsen nur wissen lassen, dass es wieder ein Buch werden würde. „Was wir tragen“ ist ein eindrucksvoller Text über die Freundschaft zweier übergewichtiger Mädchen und darüber, was für Schikanen sie ausgesetzt sind – nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause. „Wir finden zueinander, weil wir die dicksten Mädchen der Schule sind.“ ist der erste Satz und schon als ich den hörte, war ich „drin“ in der Geschichte. Es gelingt Lena Schätte mit wenigen Worten starke Bilder zu erzeugen, wenn sie zum Beispiel die Kleidung der Mädchen beschreibt, die billigen Jeans, die mit der Zeit an den Innenseiten der Schenkel immer dünner werden oder die T-Shirts, die mit ihnen wachsen, bis an den Nähten Löcher entsehen. Solche Sätze fanden sich schon in ihrem Roman über die Familie, die unter der Alkoholsucht des Vaters leidet, aber mir schien es so, als ob dieser Text noch dichter ist, da sitzt wirklich jedes Wort.
Dass Lena Schätte nun bei den 50. Tagen der deutschen Literatur gleich doppelt abräumte, hat mich unheimlich gefreut, denn neben dem Hauptpreis wurde sie auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Und das spricht für einen Text, der nicht nur höchsten literarischen Ansprüchen genügt, sondern auch das Publikum voll und ganz überzeugen konnte.
Und auch das Stuttgarter Schriftstellerhaus kann sich freuen, waren doch neben der Preisträgerin zwei weitere ehemalige Stinpendiatinnen eingeladen: Slata Roschal (2024) und Magdalena Schrefel (2016). Letztere wurde ebenfalls ausgezeichnet: Für ihren Text „Kirschen, Herz mit Verband“ erhielt sie den 3sat-Preis.
Hier finden Sie einen Bericht über die Preisverleihung, in dem unter anderem auch ein Video (11:03 Min) zur Verleihung zu sehen ist.






