Den ersten Roman „Dunkle Momente“ der Autorin und Rechtwissenschaftlerin Elisa Hoven habe ich sehr gerne gelesen. Er hatte mich deshalb beeindruckt, weil sie darin die moralischen und rechtlichen Abgründe von Fällen auslotet, in die ihre Protagonistin, die Strafverteidigerin Eva Herbergen, involviert ist. Und so war ich gespannt, wie es weitergeht. Ich hatte das Glück, bei einer Verlosung von Lovely Books ein Rezensionsexemplar aus dem S. Fischer Verlag zu gewinnen und bedanke mich für diese Aktion.
Der Vorgängerroman endete damit, dass Eva Herbergen einen Brief schreibt, in dem sie ihre Anwaltslizenz zurück geben will. Aber so ganz entschlossen war sie dann doch nicht erfahren wir in diesem neuen Buch. Sie zögerte es immer weiter hinaus, den Brief einzuwerfen und so bekommen wir Leser:innen die Chance, 8 weitere Fälle von Eva Herbergen zu lesen: Ein Autounfall, bei dem ein Junge getötet wird und die Mutter des Kindes ihm im Gerichtssaal anscheinend verzeiht. Ein Absturz in den Bergen mit Todesfolge – Unfall oder doch mehr? Die Entführung eines Jungen, bei der es mit der Lesegeldübergabe nicht klappt. Nur ein Rechtsbruch kann sein Leben retten.
Auch dieses Mal gelingt es Elisa Hoven wieder, den scheinbar eindeutigen Fällen weitere Dimensionen zu geben. Dabei gewinnt ihre Hauptfigur Eva Herbergen mehr an Kontur, denn die Autorin rückt ihr Privatleben etwas mehr in den Blickpunkt: Ihre Ehe mit dem Literaturprofessor Peter, das gemeinsame Leben in Berlin – das läuft ganz unaufdinglich nebenher. Aber auch der Charakter von Eva Herbergen gewinnt an Schärfe. Sie möchte nicht nur für ihre Mandant:innen das Beste herausholen, sondern sie ist auch getrieben von dem unbedingten Willen, die Wahrheit herauszufinden. Das bringt sie immer wieder in innere Konflikte. Das wird vor allem in einem Handlungsfaden, der sich durch das ganze Buch zieht deutlich: Ihr Mann Peter hat nach dem Tod seine Mutter das Elternhaus geerbt und nach langer Suche eine Familie gefunden, die das Haus kauft. Beim Umbau wird ein Skeltt gefunden, das dort seit Jahrzehnten eingemauert ist. Die Polizei ermittelt, stellt den Fall aber irgendwann ein. Eva jedoch kann und will das so nicht stehen lassen und beauftragt hinter Peters Rücken einen Privatdetektiv. Was dieser herausfindet, sei hier natürlich nicht verraten, aber dass das ein Prüfstein für die harmonische Beziehung der Eheleute werden könnte, ist im Ende des Romans angelegt und ein Hinweis, dass wir Eva Herbergen nicht zum letzten Mal begegnet sind.
Die klare, reduzierte Sprache hat mir auch dieses Mal wieder gut gefallen, ebenso die juristischen und moralischen Fragen der beschriebenen Fälle, die aufgeworfen werden. Ein oder zwei Fälle waren mir als passionierter Krimileserin zwar etwas zu durchsichtig angelegt, auch das Muster, dass immer wieder nach einem Urteil noch eine überraschende Wende kommt, wiederholt sich etwas zu oft. Das hat jedoch meinem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch getan!
Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Der Link führt direkt zum Titel im Webshop.
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