Dieser Roman geht wirklich unter die Haut. In dichter Sprache erzählt Ralf Rothmann die Geschichte der beiden Melker Walter und Friedrich, genannt Fiete, die mit 17, wenige Monate vor dem Ende des Krieges von der SS zwangsrekrutiert werden. Während Walter als Fahrer in einer Versorgungseinheit landet, muss Fiete an die Front. Eines Tages desertiert er und soll standrechtlich erschossen werden – von seinen ehemaligen Zimmergenossen, unter denen auch Walter ist……

In diesem Buch wir der ganze Wahnsinn der letzten Monate und Woche vor Kriegsende deutlich. Walter hat fast Glück im Unglück, obwohl auch er Schreckliches erlebt: Hilflos muss er mit ansehen, wie eine Familie auf grausame Weise ausgelöscht wird, als er Verwundete in ein Lazarett bringen soll, wird sein Laster von Tieffliegern bombardiert und nur er und sein Begleiter überleben. Besonders das letzte Treffen der beiden Freunde, vor der Hinrichtung Fietes, wird ihn sein Leben lang verfolgen.

Ralf Rothmann findet für seinen Roman eine Sprache, die fast beiläufig erzählt, was Walter erlebt und die dadurch umso intensiver wirkt. In gewisser Weise ist dies auch ein Vaterroman, denn Rothmanns Vater war Melker und in den letzten Kriegsmonaten im Krieg nahe Ungarn stationiert. Über seine Erlebnisse hat er, wie viele andere, nie gesprochen. Auch wenn er nicht genau dessen Schicksal beschreibt, gibt der Autor ihm und vielen anderen Namenlosen eine Stimme, macht ihr Schicksal vorstellbar.

Ein eindrucksvoller, literarischer Roman, der mich sehr beeindruckt hat!