333 S.
ISBN 9783520753014
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Herbarium, giftgrün

Beschreibung

Aus dem Programm der neuen, wunderschön gestalteten Edition Klöpfer im Kröner Verlag machte mich dieser Roman neugierig. Nicht nur, weil er in Tübingen spielt, wo ich in meiner Kindheit und Jugend 8 Jahre lang lebte, sondern auch, weil es mir schien, als ob das ein Kriminalroman abseits des Mainstream sein könnte. Ich freute mich deshalb, daß der Verlag mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte und bedanke mich dafür.

Der Inhalt

In einem Hörsaal des Brechtbaus der Universität Tübingen wird eine Studentin tot aufgefunden. Die Todesursache ist unklar, die Polizei tappt noch ein halbes Jahr danach im Dunkeln. In den Unterlagen der Toten findet sich eine rätselhafte Botschaft, die einerseits ihre Studieninteressen verrät, andererseits eine versteckte Drohung enthält. Durch Zufall fällt die Notiz Max Kersting, einem jungen Maler, in die Hände, den das Geheimnis und die Tote zu interessieren beginnen. Als auf ihn ein Anschlag verübt wird, beißt er sich erst recht an dem Fall fest. Was steckt hinter dem mysteriösen »Herbarium«, von dem da die Rede ist? Warum will man Kersting am Recherchieren hindern? Kommissar Neunzig nimmt den »Hobby-Detektiv« zunächst nicht ernst, da passiert ein neuer Mord: Im Parkhaus der Universität wird eine Professorin, Lehrerin der toten Studentin, erschlagen aufgefunden. Gehören die beiden Fälle zusammen?
Die Spuren, die Zeichen, die Kersting hartnäckig und erfindungsreich verfolgt, führen tief in die so gelehrte wie geschlossene Gesellschaft der schwäbischen Alma mater hinein – und weit über Tübingen hinaus nach Frankfurt und Konstanz. (© Kröner Verlag)

Meine Meinung

In einem youtube – Video sagt Autor Gerd Ueding, er hätte Lust gehabt, auch einmal einen Kriminalroman zu schreiben. Ich würde jetzt nicht sagen, daß er das lieber hätte lassen sollen, aber ich hätte mir einen solchen Kriminalroman doch etwas anders gewünscht und vielleicht auch, daß er sich zuvor einmal etwas genauer einer guten Plotgestaltung beschäftigt hätte. Die Vorgehensweise seines “Ermittlers” ist ziemlich stümperhaft und teilweise einfach unglaubwürdig. Mal hört er zum Beispiel ganz zufällig ein merkwürdiges Gespräch in einem Schreibwarengeschäft, das sich genau mit dem Thema beschäftigt, über das er kurz zuvor mit einem Professor gesprochen hat oder es fällt ihm genau in dem Moment, als er nicht so recht weiterkommt, ein Journalist ein, mit dem er befreundet ist oder der ihm noch einen Gefallen schuldet, welcher ihm fix die notwendigen Informationen liefert, die ihn dann auch immer weiterbringen. Besonders am Ende des Romans ist mir das schon etwas aufgestossen.

Ziemlich rasch wird den Lesenden klar, daß in dem universitären Umfeld, in dem Kersting herumschnüffelt, so manches nicht stimmt: Dozenten und Hiwis sind unzufrieden mit den Gehältern und das, was in der medizinischen Fakultät ein offenes Geheimnis ist, beginnt sich auch in den Geisteswissenschaften einzuschleichen: Das Geschäft mit vermeintlich wissenschaftlichen Veröffentlichungen in pseudowissenschaftlichen “Fachverlagen”, saftigen Honoraren für absurdeste Vorträge auf Fake-Kongressen und ähnlichem. Das fand ich ein sehr interessantes Thema, aber leider wirkten diese Passagen auf mich eher wie Aufsätze, nicht wie lebendige Dialoge, als die sie formuliert waren.

Sprachlich merkt man dem Roman an, daß der Autor erfahren ist, manchmal stolperte ich allerdings darüber, daß umittelbar von der Vergangenheitsform ins Präsens gewechselt wurde – ich konnte darin keinen Sinn erkennen, aber vielleicht ist dies ein Stilmittel, das sich mir nicht erschlossen hat. Insgesamt jedoch wirkten der ganze Aufbau des Romans und der Stil auf mich etwas aus der Zeit gefallen. Auch die Figuren blieben mir merkwürdig fern und blutleer, der Liebesgeschichte merkte man an, daß sich hier ein älterer Herr ausgedacht hat, wie sich ein attraktiver Künstler und eine junge, schutzbedürftige Studentin ineinander verlieben könnten. Überhaupt habe ich an manchen Stellen das Gefühl gehabt, daß der Autor durch seine Protagonisten nicht nur seinem Ärger über die schwindende Seriosität des Wissenschaftsbetriebes Ausdruck verleihen wollte, sondern auch seinen Unmut über Dinge wie social media oder die Genderdiskussion.

Was mir hingegen wirklich gut gefallen hat ist, wie Gerd Ueding die Atmosphäre der Universitätsstadt Tübingen einfängt, gerne ging ich mit Kersting durch die Gassen der Stadt oder auf der Platanenalle am Neckarufer spazieren.

Fazit: Obwohl das Buch gut geschrieben ist und auch eine gewisse Spannung entwickelt, hat es mich als Kriminalroman nicht überzeugen können. Falls der Autor Ambitionen hat, einen weiteren Krimi zu schreiben, würde ich mir wünschen, daß er sich intensiver mit überzeugendem Handlungspersonal und Plot beschäftigt – am Thema hat es ganz sicher nicht gelegen!

Wenn Sie das Buch selbst lesen möchten, können Sie es in den beiden Vaihinger Buchhandlungen buch+musik oder Vaihinger Buchladen bestellen. Die Links führen direkt in die jeweiligen Webshops.

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Über die Autorin/den Autor
war die Chefin der Schiller Buchhandlung und verantwortlich dafür, daß der Laden lief. Ihre Hauptaufgaben waren neben dem Verkauf die Betreuung der Website und der Social Media Aktivitäten, die Organisation der Veranstaltungen, der Wareneinkauf und die Oberhoheit über die Zahlen. Nach der Schließung der Buchhandlung im Februar 2018 hat sie die Webseite der Buchhandlung in diesen Blog umgewandelt. Sie liest weiter und berichtet über ihre Bucherlebnisse hier.