Heinrich Steinfest lebte lange in Stuttgart und gehörte zu den Stimmen, die immer wieder pointiert Stellung bezogen hat gegen das unendliche Projekt S 21. Mit „Wo die Löwen weinen“ schrieb er sogar einen Kriminalroman darüber – natürlich keinen konventionellen, sondern einen, der sprachlich heraussticht und voller skurriler Ideen steckt. 2011 war er auch 2x in Vaihingen zu Gast, einmal in der Schiller Buchhandlung, ein zweites Mal dann in einer Kooperation im Bürgerhaus Lauchhau-Lauchäcker. Inzwischen lebt Steinfest in Heidelberg, sehr zum Kummer von Michael Seehoff, der Ihnen in seiner Gastrezension die neue Novelle von Heinrich Steinfest vorstellt:

Linkshänderinnen zu Protagonistinnen eines Romans zu machen, das ist so typisch für Heinrich Steinfest. Mit dieser Novelle knüpft er an seine Bücher über Menschen in bestimmten Berufen oder mit außergewöhnlichen Fähigkeiten an: „Die Büglerin“ erschien 2018, „Der Chauffeur“ 2020. Sein „Hausverlag“ Piper gestaltet geschickt, mit hohem Wiedererkennungswert, die Cover dieser kleinen Reihe von Heinrich Steinfest.

Die jetzt erschienene Novelle erzählt von drei Frauen, die sich nach einem Vorfall im Flugzeug plötzlich in einer Sitzreihe wiederfinden. Sie stellen bei sich allen jene titel-gebende Gemeinsamkeit fest, aus der sich schließlich eine Freundschaft ergibt. Ansonsten sind sie, was die Herkunft betrifft, sehr unterschiedlich.

Eine von ihnen eröffnet Elsbeths Hoffnung, eine Cocktailbar, und überredet ihre beiden neuen Freundinnen einzusteigen in die Bar. Die Drei kreieren ungewöhnliche Cocktails, wie z. B. einen mit Namen Vermählung, den sie aus Champagner mit Guinness und einem Schuss Walnussschnaps mixen. Auftrieb bekommt die Bar sofort durch einen landesweit bekannten Restaurantkritiker, der ganz angetan ist von den Cocktailvariationen.

Die Novelle wäre jedoch keine Novelle, wenn nicht auch noch ein außergewöhnliches Ereignis eintreten würde: Hier ist es das gleichzeitige Verschwinden von zwei wissenschaftlichen, französischen Fachgesellschaften, die in einem nahe gelegenen Hotel einen Kongress abhalten: Eine Gruppe von französischen Psychoanalytikern und der Verband französischer Floristinnen und Floristen.

Polizei, Rettungskräfte und die drei Linkshänderinnen machen sich auf die Suche. Wie dabei Morsezeichen und viele Liter wertvollen Weines zum Einsatz kommen, soll hier nicht weiter ausgeführt werden eben so wenig wie die von Heinrich Steinfest geschickt eingeflochtenen Liebesgeschichten. Anzumerken sei aber, dass der Autor in diesem schmalen Band wieder seine grenzenlose Fantasie freien Lauf lässt und ihn mit überbordenden Einfällen versieht, die er teils – wie so häufig in seinen Romanen – auch in ausufernden Fußnoten und einem längeren Nachwort unterbringt.

Für mich eingefleischten Steinfestfan bleibt nach der Lektüre dann doch ein kleiner Wermutstropfen: Keinerlei Verweise gibt es als Cliffhanger auf die beiden Bände Der Chauffeur und Die Büglerin. Dort hatte er Hinweise auf mögliche weitere Handlungsstränge eingeflochten, die mich auf eine Fortsetzung hoffen ließen. Aber es kann ja sein, dass eines Tages der Chauffeur seine Uniform von der Büglerin aufbügeln lässt und er in einem Großraumtaxi alle Frauen in diesen Geschichten zu einem betrunkenen Berg fährt.

Die ausführliche Rezension von Michael Seehoff können Sie hier nachlesen

Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Der Link führt direkt zum Titel im Webshop.