„Spannende, vielschichtige Krimikost mit einer Hauptfigur, von der ich gerne noch mehr lesen möchte!“ – das schrieb ich vor gut 1 Jahr über das Debüt von Susanne Kaiser, in der ihre Ermittlerin zum ersten Mal die Bühne betritt. Für diesen ersten Fall wurde sie unter anderem mit dem Debütpreis der Stuttgarter Kriminächte ausgezeichnet. Zum Glück musste ich nicht allzulange warten! Im Frühjahr 2026 kam er schon, der zweite Fall für Obalski!
Dieses Mal wird die verdeckte LKA-Ermittlerin als Social-Media-Beraterin in das Team der bayrischen Landtagsabgeordneten Deniz Yanar eingeschleust. Diese bekommt E-Mails mit Vergewaltigungs- und Mordfantasien, in den sozialen Medien gibt es einen offensichtlich sorgfältig orchstrierten Shitstorm gegen sie, der sich langsam steigert und immer persönlicher wird. Liegt der Ursprung in Yanars Team? Sie ist eine dominate Politikerin, die ihre Mitarbeitenden nicht immer wertschätzend behandelt – will sich da jemand rächen? Aber dann gibt es bei einer öffentlichen Veanstaltung einen Anschlagsversuch, außerdem stellen Obalski und das Ermittlerteam fest, dass weitere Frauen Opfer von Hass und Hetze sind. Als schließlich eine Richterin tot aufgefunden wird, müssen sich Obalksi und ihre Kolleg:innen fragen, was eigentlich das verbindende Element sein könnte. Sie stoßen auf ein Netz von Männern, das offensichtlich aus Incels besteht, also Männern, die unfreiwillig asexuell leben und die Schuld dafür bei Frauen suchen. Als Obalski selbst an den digitalen Pranger gestellt wird, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.
Auch dieser Krimi ist wieder sehr spannend zu lesen und führt uns Leser:innen tief in die dunkelsten Seiten der digitalen Welt. Waren es im ersten Band Männer, die die digitalen Netzwerke für sexuellen Missbrauch von jungen Mädchen nutzten, inszenieren die Incels in diesem Band eine digitale Hexenjagd, die jedoch nicht im digitalen bleibt, sondern sich in der realen Welt fortsetzt. Wieder spielt die Autorin ihre Kenntnisse über Machtverhältniss zwischen Männern und Frauen in der westlichen und islamischen Gesellschaft aus und zeigt eindrücklich, wie schwer es für Frauen ist, digitaler Gewalt etwas entgegenzusetzen. Dabei entwickelt sie ihre Figur Obalski konsequent weiter: Dieses Mal erfahren wir mehr über ihr Privatleben und das sehr prblematische Verhältnis zu ihrer Mutter, das es ihr fast unmöglich macht, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Dieser Handlungsstrang fügt sich nahtlos und unaufdringlich in die Krimihandlung ein. Wie schon im ersten Band weiß auch die Deniz Yanar nicht Bescheid über die wahre Indentität ihrer vermeintlichen Social-Media-Beraterin. Sie begegnet Obalski zunächst voller Misstrauen, fasst aber dann doch Vertrauen zu ihr – ein Vertrauen, das durch die Enthüllung der wahren Identität Obalskis wieder zerstört wird. Es bleibt offen, ob sich die beiden Frauen wieder aneinander annähern und das vorher fast freundschaftliche Verhältnis reaprieren können.
Auch dieses Mal kann ich wieder sagen: Spannende Krimikost, die den Horizont erweitert, mit einer Hauptfigur, der ich hoffentlich wiederbegegnen werde!
Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Der Link führt direkt zum Titel im Webshop.
Eine Leseprobe finden Sie hier
Dieses Buch wurde mir vom Rowohlt Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar für meine Arbeit in der Jury der Stuttgarter Kriminächte zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!