188 S.
EAN 9783442772377
ISBN 9783442772377
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Das chinesische Zimmer. Ein Piet Hieronymus Krimi

Beschreibung

Über diesen Krimi bin ich zufällig über ein Portal gestolpert und das Setting in Finnland interessierte mich. Es handelt sich um den letzten Band einer Reihe, von der ich noch keinen Band gelesen hatte. Ich bedanke mich beim btb Verlag aus der Verlagsgruppe PenguinRandomHouse, der mir ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Der Inhalt

Der Verlag beschreibt den Inhalt so: “Eigentlich hat sich Piet Hieronymus, ehemaliger Profiler der niederländischen Polizei für Auslandsermittlungen, schon seit längerem zur Ruhe gesetzt. Doch dann erhält er die Nachricht, dass sein finnischer Ex-Kollege und Freund Einar Berglund unerwartet gestorben sei. Piet hat allen Grund, an dem Tod Einars zu zweifeln. Er macht sich umgehend auf den Weg in den hohen Norden, doch ein schwerer Sturz hindert ihn dort lange an weiteren Nachforschungen. Mit Hilfe der Vietnamesin Hue, die ihn im Krankenhaus betreute, und des Samen Matti gelingt es Piet schließlich, das Rätsel um Einar zu lösen. ” (© btb Verlag)

Meine Meinung

Wer einen rasanten Thriller erwartet, sollte diesen Krimi nicht lesen. Wer sich jedoch “Kulturgeschichte im lose übergeworfenen Krimigewand” (S. 187) als Lektüre vorstellen kann, der ist mit diesem Krimi gut bedient. Piet Hieronymus ist bereits im Pflegeheim, als er vom angeblichen Tod seines finnischen Kollegen erfährt und sein Alter ist eines der Themen, die sich durch den ganzen Roman ziehen. Es behindert ihn einerseits in seinen Ermittlungen, andererseits ist gerade das sein Vorteil: Weil er durch seinen Sturz körperlich schwer angeschlagen ist, kann er sich ohne aufzufallen in das Pflegeheim begeben, in dem er Einar vermutet und das einen hervorragenden Ruf hat. Der Fall um seinen ehemaligen Kollegen Einar ist rasch gelöst, aber Piet stößt auf Ungereimtheiten in dem Heim, die seinen Verdacht wecken. Vor allem einer der Ärzte, der Chinese  Doktor Lau, der ihn immer wieder in philosophische Diskussionen verwickelt, scheint dabei eine führende Rolle zu spielen. Seine Nachforschungen bringen ihn in Lebensgefahr und ohne seine Betreuerin Hue und den Samen Matti, einen treuen Freund Einars wäre er verloren……

Mir hat an diesem Krimi gut gefallen, wie Henning Boëtius das Alter seines Helden mit all seinen Beschwernissen geschickt nutzt, um daraus einen interessanten Kriminalfall zu konstruieren, denn die Behinderungen von Piet, der auch mal mit Krücken durch dichtes Schneetreiben stapfen muss, sind eines der Spannungselemente. Wie der Autor das beschreibt wirkt absolut glaubwürdig und authentisch – sein eigenes Lebensalter (er war Jahrgang 1939) lässt vermuten, daß eigene Erfahrungen in die Beschreibungen einfließen. Auch das Setting in Finnland trägt zur Atmosphäre und vor allem im letzten Drittel des Buches zur Spannung bei.

Womit ich weniger anfangen konnte (und worüber ich dann großzügig hinwegblätterte) waren die philosophischen Diskussionen zwischen Piet und Dorktor Lau. Das tat jedoch der Spannung keinen Abbruch.

Dieser Band ist der letzte der Piet Hieronymus – Reihe, denn Henning Boëtius ist kurz vor Erscheinen seines Krimis im März 2022 verstorben. Ich konnte das Buch gut ohne Vorkenntnisse lesen, am Ende macht der Autor mit einem Augenzwinkern Lust, die vorherigen Bände noch zu lesen.

Fazit: Die oben genannte Formulierung des “lose übergeworfenen Krimigewandes” charakterisiert dieses Buch wunderbar. Die Krimihandlung tritte phasenweise ziemlich in den Hintergrund, bleibt aber immer präsent und steigert sich vor allem gegen Ende des Buches immer mehr. Leseempfehlung für alle, die gerne Kriminalromane abseits der üblichen Muster lesen.

Hier können Sie einen Blick ins Buch werfen

Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es in den beiden Vaihinger Buchhandlungen buch+musik oder Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Die Links führen direkt in die jeweiligen Webshops.

 

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Über die Autorin/den Autor
Von 1976 bis 2018 war ich im Buchhandel tätig und von Oktober 1995 bis Februar 2018 die Inhaberin der Schiller Buchhandlung, die ich zuvor fast 5 Jahre als Geschäftsführerin geleitet  habe. Ein Leben ohne Bücher ist für mich auch nach der Schließung meiner Buchhandlung unvorstellbar. Deshalb schreibe ich in der Rubrik "Buchtipps" weiter über meine Lektüreeindrücke. Meine bevorzugten Bücher sind vor allem Krimis, die ich für meine Arbeit als Jurymitglied der "Stuttgarter Kriminächte" regelmäßig lese. Ich lese außerdem literarisches und spannende Unterhaltungsromane. Inzwischen habe ich auch das Hörbuch für mich entdeckt und schaue immer noch gerne in Kinder- und Jugenbücher rein.