199 S.
ISBN 978-3-8425-1228-3
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Am Abend gab es Brotsupp. Alltag im schwäbischen Weindorf -1940

€ 24,90Versandkostenfrei
Beschreibung

Das  schwäbische Weindorf, um das es in diesem Buch geht, liegt im Remstal und heißt Schnait. Das Dorf gehört inzwischen zu Weinstadt, sowie z. B. Endersbach und Strümpfelbach auch.
Aber 1940 lagen diese Orte noch weiter auseinander, nicht bezüglich der Kilometer, sondern bezüglich der Zeit, die man brauchte, um von einem Ort zu anderen zu kommen.1940 war überhaupt alles noch ein bißchen anders wie heute.Und wie sehr sich der damalige Alltag von unserem Alltag heute unterscheidet, erzählt Lydia Stilz sehr anschaulich und unterhaltsam in diesem Buch.

Lydia Stilz wurde 1928 in Schnait geboren und war die älteste Tochter der Familie Stilz. Nach und nach folgten insgesamt noch sechs weitere Geschwister und so lernte Lydia schon bald alles rund um Kinderbetreuung und Haushalt. Außerdem arbeiteten sie und die Geschwister auf dem Feld, im Garten und natürlich auch in den Weinbergen mit. Lydias sehr persönliche Erinnerungen zeigen uns sehr anschaulich den Alltag in einem kleinen Dorf, das sich fast autark versorgte und wo jeder einzelne Dorfbewohner mit seiner Arbeitskraft zur Gemeinschaft beitrug.

Das Buch ist gegliedert nach den vier Jahreszeiten, die damals eine sehr wichtige Rolle im Alltag der Dorfbewohner gespielt haben.

Im Winter fand das Leben vor allem in der Stube statt, sprich in der beheizbaren. Dort wurde gestrickt und  Strümpfe gestopft, aber auch Weidenkörbe geflochten oder ausgebessert.

Und es gab auch im Spätwinter im Weinberg zu tun: da damals die Gassen zwischen den Reben frei von Unkraut und Gras gehalten wurden, spülte starker Regen im Sommer nach und nach den Boden zu Tal. Diese hinuntergespülte Erde wurde im Winter hinaufgetragen und wieder zwischen den Reben verteilt. Schwerste Körperarbeit. Heute lässt man zwischen den Reben das Gras wachsen, das dann die Erde festhält.

Im Frühjahr gab es dann viel zu tun auf dem Acker und in den Weinbergen. Zwischen den Rebstöcken konnte man den ersten Salat ernten, denn dort wuchs der Ackersalat oder Feldsalat besonders gut.
Im Weinberg wurden auch häufig Tomaten angepflanzt, zwischen die Reihen Kürbiskerne in die Erde gesät, damit die großen Blätter der Kürbispflanze die Erdlöcher verdeckten, die beim Erdetragen entstanden waren.  Also eine Art Kosmetik für den Weinberg.

Im Sommer mussten die wachsenden Triebe der Rebstöcke an den Pfählen befestigt  werden, damit sie nicht kreuz und quer weiter wuchsen. Dazu benutzte man die langen zähen Halme des Waldgrases „Rauschaub“ genannt. Die Stellen im Wald, an denen dieses Gras wuchs, wurden an die Wengerter versteigert. Ebenso musste gegen allerlei Krankheiten und Viecher gespritzt werden, z. B. gegen Mehltau und den sogenannten „Heuwurm“.

Im Herbst dann wurden Äpfel und Birnen gepflückt und zu Moscht verarbeitet. Und dann kam die allerwichtigste Zeit im Jahr: die Weinlese. Jetzt musste alles antreten, was zwei Beine und Arme hatte. Im Schurwald wurden die Landmädchen gefragt, ob sie wieder bei der Weinlese helfen wollten.
Es gab 14 Tage Herbstferien, damit auch die Schulkinder mithelfen konnten. Sogar die Lehrer waren dabei.

In Lydia Stilz Erinnerungen geht es aber nicht nur ums Schaffen. Zwischendurch erzählt sie auch von Brauchtum und Traditionen und schmückt ihre Erinnerungen auch mit  Anekdoten aus dem Familien- und Dorfleben. Die vielen schwäbischen Ausdrücke, die natürlich immer wieder  auftauchen, werden am Ende des Buches in einem Glossar erklärt.

Das Buch ist übrigens auch reich bebildert. Noch ein paar Worte zu den Fotos: in den 40iger Jahren war es an sich nicht üblich, das dörfliche Leben als interessant genug zu erachten, um Fotos zu machen.
Glücklicherweise aber gab es aber einen Carl Lachenmann, der in den frühen 40igern Land und Leute auf zahlreichen Dias festgehalten hat. Und einen Richard Lenz, der in den 50iger und 60iger Jahren den dörflichen Wandel beobachtet und ebenfalls in zahlreichen Fotos dokumentiert hat. Die meisten Fotos sind von diesen beiden Herren.

Für mich war das Buch ist eine sehr interessante und bereichernde Lektüre. Ein sehr unterhaltsam geschriebenes Zeitdokument, nicht nur bezüglich der Arbeit im Weinberg, sondern generell der Arbeit auf dem Land, wie das Leben der Menschen auf dem Lande durch  den jahreszeitlichen Ablauf bestimmt wurde.

Sehr unterhaltsam und persönlich erzählt, sehr zu empfehlen.

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Natalie Puttkammer
Über die Autorin/den Autor
war das dienstälteste Mitglied der Schillerteams und konnte bis zum Schluß keine berufsbedingten Abstumpfungserscheinungen an sich beobachten. Neben dem Verkauf war sie dafür verantwortlich, daß alle Kundenbestellungen reibunslos abgewickelt werden und für den Einkauf aller Reiseführer und Landkarten.