Ich freue mich, dass Barbara Scholz mir wieder einmal eine Buchempfehlung geschickt hat:

Der kurdische Yeside Tahsim Durgun muss schon als kleiner Junge bei Arztgängen, bei der Ausländerbehörde und bei allen wichtigen Dokumenten für seine Mutter dolmetschen. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, Kurdisch kann er nur für den Hausgebrauch. Als er  im Erwachsenenalter seiner Mutter einmal vorwirft, „Mama, bitte lern Deutsch“, bricht seine Mutter in Tränen aus und antwortet: „Von wem denn, mein Sohn? Wer hätte mir Deutsch beibringen sollen?“ Ihr Alltag besteht aus Arbeit und Familie. Zeit dazwischen hat es nie gegeben. „Und wenn ich dann versucht habe, rauszugehen, mit Deutschen zu reden…sie wollten mich nicht.“ Sie ist zu Schulfesten gegangen, hat in der Kirche geholfen und hat versucht ins Gespräch zu kommen mit dem Ergebnis, dass sie gefragt wurde, ob sie bei ihnen als Putzfrau arbeiten wolle. Jeder Versuch mit Deutschen ins Gespräch zu kommen scheiterte. So kam sie über ein rudimentäres Deutsch nie hinaus, trotz der Deutschkurse, die sie regelmäßig besucht  hat.

Die Familie Durgun lebt seit vielen Jahrzehnten in Deutschland. Die Eltern waren als Arbeitskräfte nach Deutschland gekommen. Dort haben die beiden sich erst kennen gelernt, geheiratet und eine Familie gegründet. Alle vier Kinder sind in Deutschland geboren. Vater und Mutter arbeiten hart, um  den Kindern ein halbwegs gutes Leben zu ermöglichen. Wichtig ist den Eltern auch, dass ihre Kinder eine gute Bildung erhalten. Tahsim Durgun schildert, wie er schon als kleiner Junge um Anpassung bemüht war. Es war ein langer Prozess, bis er die Benachteiligungen realisierte. Die Eltern setzen ihren Humor und ihren Willen zur Selbstbehauptung gegen alle Anfeindungen.

Tahsim Durgun erzählt von den vielen kleinen und großen Demütigungen, Vorurteilen und Benachteiligungen, denen er und seine Familie ausgesetzt waren und sind. Und er beschließt schon sehr früh, besser als alle anderen zu werden. Mit eisernem Willen und großer Disziplin überwindet er alle Hindernisse, die ihm in den Weg gestellt werden. Heute arbeitet er als Lehrer.

Sein Buch ist aber vor allem eine Hommage an seine Mutter, einer starken Frau, die sich nie beschwert, die nie aufgibt, die ihr Leben mit Mut und Humor meistert, die ihre Kinder liebt und immer verteidigt, die ein großes Herz für andere Menschen hat und trotz  der finanziellen Not immer großzügig ist.

Ich empfehle dieses Buch allen Leserinnen und Leser, die nichts für Sarazin und seine absurden Thesen übrig haben, die einmal miterleben wollen, wie es Menschen geht, die anders aussehen und einen fremdklingenden Namen haben. Es ist ein wunderbares, nachdenklich stimmendes, aber auch durchaus humorvolles Buch ohne erhobenen Zeigefinger, das hoffentlich viele Menschen lesen werden.

Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Der Link führt direkt zum Titel imWebshop.