Wolfgang Schorlau begibt sich auf neues Terrain – die Satire. Eine Satire allerdings, die inzwischen von der Realität eingeholt wurde.
2026: Karsten Richter steht kurz vor der Ernennung zum Wirtschaftsminister. Er war vorher Geschäftsführer der Gas Future AG und die Gas-Lobby ist begeistert. Endlich ist es ihr gelungen, einen der ihren direkt im Kabinett zu installieren. Sie hofft, so die Energiewende noch einmal abzuwenden. Allerdings gibt es da noch ein Problem: Karsten Richters Mutter ist Ökoaktivistin und ziemlich entsetzt über die Karriere ihres Sohnes – hat sie doch alles versucht, ihm bei seiner Erziehung ihre Werte zu vermitteln. Leider erfolglos, wie sie feststellen muss: Geld, Karriere und Anerkennung sind ihm wichtiger als das Wohl des Planeten. Nun plant sie eine Pressekonferenz mit dem Titel „Mein Sohn Karsten – Die Ökosau“. Der Kanzler ist wenig amüsiert und verlangt, dass Karsten seine Mutter zurückpfeift. Das gelingt nicht, aber da kommt eine überraschende Wende: Karsten Richter erhält einen Anruf, dass seine Mutter entführt wurde. Er beschließt, auf Zeit zu spielen…..
Dieses schmale Büchlein (154 großzügig bedruckte Seiten) wurde bereits 2025 geschrieben. Es zeichnete sich also schon ab, in welche Richtung die Reise in der Energiepolitik gehen würde, aber dennoch ist es erstaunlich, mit welcher Präzision Wolfgang Schorlau die Machenschaften im Wirtschaftsministerium aufzeigt. Vieles von dem, was er beschreibt (z.B. wie die Beamten im Ministerium unter Druck gesetzt werden, wenn sie Gutachten oder Berichte nicht so schreiben, wie gewünscht) ist inzwischen durch Presseberichte bestätigt worden. Dass Schorlau eindeutig ein Befürworter der Energiewende ist, hat er schon in seinem letzten Dengler-Krimi „Black Forest“ gezeigt und wer ihn kennt, weiß, dass auch die Fakten in dieser Satire gut recherchiert sind.
Aber er wäre auch nicht Wolfgang Schorlau, wenn er nicht noch eine Prise Krimi in die Satire einbauen würde. Auch das hintergründig, denn die Entführer von Karsten Richters Mutter stellen sich selten dämlich an und die Telefonate, die Richter ab und an mit seiner Mutter führt, zum Beweis, dass sie noch lebt, deuten darauf hin, dass sie ihre Entführer besser im Griff hat, als diese ihr Opfer. Aber seine Strategie, die Entführer hinzuhalten, stürzt den Minister doch auch immer wieder in leichte Gewissenskonflikte – die Macht ist verführerisch, aber dennoch meldet sich ab und an das Gewissen.
Eine süffige Satire, die sich zwar richtig gut liest, die mir aber trotzdem ein gewisses Unbehagen eingeflößt hat. Ich hatte nämlich nicht das Gefühl, eine fiktive Satire zu lesen, sondern mich in der Realität zu befinden. Und das ist das für mich eigentlich bestürzende: Allein die Tatsache, das, was als Fiktion daher kommt, für möglich zu halten. Möge es nicht so sein, denn vor der Schlusspointe, die Wolfgang Schorlau setzt, wollen wir bitte alle bewahrt werden.
Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es beim Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Der Link führt direkt zum Titel im Webshop.
Eine Leseprobe finden Sie hier.