Rückblick auf die 17. Stuttgarter Kriminächte 2026, Teil 1
Vom 13. – 26. März war es wieder spannend in Stuttgart: Vom Alten Schauspielhaus über die Schönberger Himmelfahrtskirche oder die Jugendherberge bis zum Sparda Welt Eventcenter und in noch viel mehr Locations fanden spannende Krimilesungen statt. Die Auswahl fiel schwer – dass ich zwischendurch eine Kurzreise nach Paris unternahm schränkte mich (zum Glück?) bei der Terminwahl ein wenig ein.
Eröffnung der Kriminächte mit der Premiere der Kriminalkomödie „Der Hexer“
- Astrid Fünderich eröffnet die Stuttgarter Kriminächte 2026 (© Foto: Susanne Martin)
- Meine alte Ausgabe des Hexers von 1957 (© Foto: Susanne Martin)
Mit der Premiere des wohl berühmtesten Krimis von Edgar Wallace wurden die Kriminächte in der Inszenierung von Eva Hosemann im Alten Schauspielhaus eröffnet. So mancher erinnerte sich natürlich an die legendäre Verfilmung aus den 1960er Jahren. Aber die gebotene Bühnenfassung war frisch und modern und das Programmheft trug den Untertitel Kriminalkommödie von Axel Preuß nach Edgar Wallace. So war neben Spannung auch für Humor gesorgt und vor allem, dass die Frauenfiguren als selbstbewusste Persönlichkeiten gezeichnet wurden, tat dem Stoff richtig gut. Mir hat es großen Spaß gemacht, den Ermittlungen zu folgen und mein Verdacht, wer der Hexer ist, hat sich bestätigt. Wer es ebenfalls wissen möchte, sollte sich diese unterhaltsame Inszenierung nicht entgehen lassen, sie steht noch bis 18.4.2026 auf dem Programm des alten Schauspielhauses.
Lesung mit Zoran Drvenkar in der Himmelfahrtskirche Schönberg
Das war ein schönes Wiedersehen! Zoran Drvenkar war früher öfter zu Gast in der Schiller Buchhandlung, damals bei Schullesungen aus seinen Jugendbüchern. Und auch bei den Stuttgarter Kriminächten ist er kein Unbekannter: 2015 stellte er bei einer Lesung in der Rosenau seinen Thriller „Still“ vor. Dieses Mal kam er, um seinen Roman „Asa“ vorzustellen und er kam als Preisträger, denn ihm wurde von der Jury der Kriminächte den Sparda Krimipreis (Hauptpreis) zugesprochen. „Asa“ ist ein virtuos geschriebener, unglaublich spannender und vielschichtiger Thriller, in dem der Rachefeldzug einer jungen Frau im Mittelpunkt steht. Zu Beginn des Abends erzählte er ein wenig über seinen Werdegang: Schon als Kind hat er viel gelesen und etwas anderes als Schreiben kam für ihn eigentlich nicht in Frage. Gemeinsam mit seinem Freund Gregor Tessnow startete er sein Leben als Autor und die beiden Freunde unterstützten sich finanziell auf ihrem Weg. Zoran wurde erfolgreich, während Gregor irgendwann den Halt verlor und starb – ein Verlust, an dem sein Freund Zoran bis heute leidet. Nach dieser sehr berührenden Einführung folgte die Lesung einiger Auszüge aus dem Roman, der das Publikum gebannt folgte. In der anschließenden Fragerunde kam zu Tage, dass er eigentlich nie recherchiert und sich manchmal selbst wundert, was er da geschrieben hat. Für mich war es ein schönes Wiedersehen und eine gute Ergänzung zur eigenen Lektüre des Romans.
Lesung mit Andreas Pflüger im SpardaWelt Event Center
„Kälter“ ist ein fulminanter Thriller, der mir sehr gut gefallen hat und der zu Recht mit dem Politikkrimipreis der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg ausgezeichnet wird. Da war es klar, dass ich auch zu dieser Lesung unbedingt wollte. Und das hat sich wahrhaftig gelohnt! Andreas Pflüger ist ein wunderbarer Vorleser und Entertainer, der sein Publikum mit der richtigen Mischung aus Spannung, Humor und persönlichen Einlassungen zu seinem Leben und Schreiben unterhielt. So lernten wir, dass er seine Bücher stets auch selbst setzt und darauf achtet, dass es nirgends einen Bindestrich in seinen Texten gibt. Das soll dem Lesen eine weitere Dimension geben.
Dass er ein penibler Rechercheur ist, hat er schon oft unter Beweis gestellt und das gilt auch für diesen Roman. Seine Kenntnisse der Geheimdienstarbeit sind legendär und als er seinen Experten für Sprengstoffe anrief, rief dieser begeistert „Was sprengen wir dieses Mal ind die Luft, Herr Pflüger?“ Für diesen Roman reiste er auch nach Israel und eine Schlüsselszene, die er las, spielt in einem Hotel, das er auf seiner Reise selbst besuchte. Dabei fuhr er mit seiner Frau im Aufzug, beachtete allerdings nicht, dass es Shabbat war und der Lift speziell darauf ausgerichtet war: Das bedeutet, dass er am Shabbat automatisch, ohne dass man den Knopf drücken muss, den ganzen Tag ununterbrochen jedes Stockwerk anfährt – es kann also also eine Weile dauern, bis man das Zielstockwerk erreicht. Dieses Erlebnis war die Inspiration für eine der spannendsten Szenen des Romans, die er dann auch las.
Die zwei Stunden, die er seinem Publikum schenkte, vergingen wie im Flug und natürlich bildete sich eine entsprechend lange Schlange am Bücher- und Signiertisch.











