Der erste Kriminalroman von Susanne Tägder hatte mir sehr gut gefallen – zu Recht hat er 2025 den Preis der Stuttgarter Kriminächte für das beste Debüt erhalten. So war ich gespannt auf den zweiten Fall für ihren Kommissar Arno Groth. Ich bedanke mich beim Tropen Verlag, der mir ein Rezensiuonsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

1992: Im Mönkebergviertel, einer Plattenbausiedlung im fiktiven Ort Wechtershagen in Mecklenburg-Vorpommern ist ein 11jähriger Junge auf dem Weg zum Einkaufscenter verschwunden. Groth und seine Kollegen suchen nach dem Jungen, zunächst ergebnislos. Es tun sich Parallelen zu einem Mordfall auf, der vor einigen Jahren in derselben Gegend geschah und der nie aufgeklärt wurde. Groths Exkollege Gerstacker, dem wir auch schon im ersten Fall begegneten, war damals der ermittelnde Beamte. Groth setzt durch, dass er trotz der Entlassung wegen seiner Stasivergangenheit in das Ermittlerteam aufgenommen wird. Die Ermittlungen gestalten sich dennoch zäh, denn die Menschen in Mönkeberg sind mit sich und ihren Problemen der Nachwendezeit beschäftigt.

In einer zweiten Handlungsebene lernen wir Ina Paul kennen. Sie ist mit ihrem Sohn Benno vor ihrem gewalttätigen Mann geflohen und fährt Taxi. Am Abend von Mattis Verschwinden touchiert sie einen Motorradfahrer, der jedoch sofort wieder auf sein Moped steigt und davonrast. Als Leserinnen wissen wir: Diese Information wäre wichtig für Groth und seine Kollegen. Aber Ina schweigt aus Angst vor einer eventuellen Verurteilung wegen Fahrerflucht.

Auch wenn dieser zweite Band nicht ganz so stark ist wie „Das Schweigen des Wassers“ ist Susanne Tägder wieder ein atmosphärisch dichter und spannender Kriminalroman gelungen. Dabei dauert es lange, bis man erfährt, was mit Matti passiert ist und die Ermittler tappen bis fast zum Schuss im Dunkeln. Mir hat es sehr gut gefallen, wie die Autorin die trostlose Atmosphäre in der Plattenbausiedlung einfängt, die frustrierten Menschen, die nicht mit den Veränderungen der Wende zurechtkommen: Familien haben mit Arbeitslosigkeit und fehlenden Perspektiven zu kämpfen, die Kinder und Jugendlichen sind viel mehr auf sich selbst gestellt, radikalisieren sich teilweise – kurz die Menschen fühlen sich abgeschrieben und begegnen den Ermittlern mit großem Misstrauen. All das bildet den Hintergrund für einen tragischen Kriminalfall. Dabei lässt sich Susanne Tägder Zeit, erzählt ruhig und sachlich, ohne es dabei an der Anteilnahme für ihre Figuren fehlen zu lassen. Genau diese gelungene Mischung machte für mich den Reiz dieses Krimis aus.

Klare Leseempfehlung!

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