Das kriminelle Finale. Rückblick auf die 17. Stuttgarter Kriminächte, Teil 2
Das kriminelle Finale ist immer Höhepunkt und Abschluss zugleich: Nach zahlreichen Lesungen in der ganzen Stadt werden die Preisträger:innen der Krimipreise, die in 4 Kategorien vergeben werden, live präsentiert.
- Inspektor Noise und die Moderator:innen Jochen Stöckle und Astrid Fünderich (© Foto: Susanne Martin)
- Marc Gegenfurtner (© Foto: Susanne Martin)
Das besondere daran: Das Publikum erlebt die Autor:innen direkt vor Ort und kann nach der Preisübergabe beim anschließenden Empfang auch mit ihnen ins Gespräch kommen. Auch dieses Jahr war das Publikum in das SpardaWelt Eventcenter eingeladen.
Ebenfalls schon traditionell ist die musikalische Umrahmung durch die Band Inspektor Noise (Florian Vogel (Violine und Elektronik), Markus Zink (Schlagzeug und Elektronik), Felix Meyerle (Tasten) und Diana Gantner (Gesang)) und die Moderation durch Schirmherrin Astrid Fünderich (Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert in der Soko Stuttgart) und Jochen Stöckle, bekannt aus SWR 1. Sie führten auch dieses Jahr charmant und humorvoll durch den Abend.
Ein Highlight ist immer die Rede von Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner vor der Preisverleihung, die auch dieses Mal mit großem Beifall bedacht wurde. Wie schon so oft war sie geistreich und humorvoll, obwohl sie auch die schwierige Lage der Kultur in Stuttgart thematisieren musste, von der die Stuttgarter Kriminächte nicht verschont blieben: 20% Kürzung der städtischen Förderung mussten die Organisatorinnen hinnehmen. Und das auch noch sehr kurzfristig: Das Programm stand bereits fest, als sie die Hiobsbotschaft zum Jahresbeginn erreichte. Es war ein großes Glück, dass mit der GWG Gruppe so kurzfristig ein großzügiger Sponsor gefunden wurde, dass Ausfall mit einer Spende in Höhe von 20.000 Euro kompensiert werden konnte.
Auch Vereinsvorstitzende Gabriele Mair würdigte das großzügige Sponsoring und warb eindringlich für Engagement für die Kriminächte – sei es in Form einer Mitgliedschaft im Verein oder durch Spenden und Sponsoring. Nur so kann die traditionsreiche Veranstaltungsreihe auch in Zukunft durchgeführt werden.
Nach diesem durchaus ernsten Auftakt wurden die Preise vergeben, die auch dieses Mal in 4 Kategorieren verliehen wurden:
Thalia Debütpreis für „Riot Girl“ von Susanne Kaiser
Die Jury begründete ihre Wahl so: „Susanne Kaiser nutzt ihre Expertise langjähriger Forschungen zur neuen Gewalt gegen Frauen für ein packendes Krimidebüt. Sie beschreibt eindrücklich die Macht digitaler Kanäle, die dunklen Netzwerke von Männern genutzt, um junge Mädchen sexuell zu missbrauchen. Gleichzeitig geben dieselben Kanäle den Opfern die Möglichkeit, ihre Wehrlosigkeit zu überwinden und zurückzuschlagen. Mit ihrer verdeckten Ermittlerin Obalski hat sie eine glaubwürdige, authentische Hauptfigur geschaffen, der man gerne in neuen Fällen wieder begegnen möchte.“
Auch mir hatte dieser Krimi sehr gut gefallen und ich war gespannt darauf, die Autorin zu erleben. Leider wurde ich enttäuscht: Sie konnte nicht dabei sein bei der Verleihung und war lediglich mit einer kurzen Videobotschaft vertreten. Sängerin Diana Gantner von Inspektor Noise kann jedoch nicht nur sehr gut singen, sondern ist auch ausgebildete Sprecherin und las eine gut ausgewählte Passage aus dem Roman, die hoffentlich vielen Lust machte, das Buch ebenfalls zu lesen.
RSM Ebner Stolz Wirtschaftskrimipreis für „Falsche Versprechen“ von Florian Wacker
Über diesen Krimi sagt die Jury: „Unaufgeregt und ausserordentlich spannend erzählt Wacker von Mord, Geständnissen und Lügen in einem Fall, der uns in die Hinterzimmer der Politik, die Machenschaften der Energiewirtschaft und die Welt des Wasserstoffs blicken lässt. Sehr lesenswert!“
Bei der Preisübergabe war dieses Mal zwar der Autor anwesend, nicht jedoch die Mitarbeiterin von RSM Ebner Stolz, die trditionell den Preis übergibt. Was für ein Glück, das Stefanie Anhalt, ebenfalls SWR – Moderatorin, im Publikum saß und die Grußbotschaft sehr charmant verlas. Danach folgte dann eine kurze, sehr spannende Lesepassage des Autors und ich bin mir sicher, dass viele wissen wollen, wie es danach weitergeht.
Politikpreis der Heinrich Böll Stiftung BW für „Kälter“ von Andreas Pflüger
Hier ist die Begründung der Jury: „Mit „Kälter“ liefert Andreas Pflüger nicht zum ersten Mal einen Agententhriller, der Spannung, historische Dichte und charakterliche Tiefe zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis verbindet. In seinem breit ausgefächerten Stoff verschmilzt politische Zeitgeschichte mit actionreicher Thrillerkunst. Die historischen Bezüge zum Kalten Krieg und die präzise recherchierte Darstellung der Geheimdienstdynamik verleihen dem Roman nicht nur realistische Tiefe, sondern erheben ihn über bloße Unterhaltung. Die Heldin ist dabei mehr als nur eine Kampfmaschine: „Kälter“ zeichnet sie als komplexe, verletzliche Figur, deren innerer Konflikt – zwischen Pflicht, Loyalität und persönlicher Rache – den Roman emotional auflädt.“
Ein Urteil, dem ich mich vollumfänglich anschließe – auch mich hatte dieser Thriller begeistert! Ich freute mich natürlich auch sehr, Andreas Pflüger noch einmal wiederzusehen und ihm persönlich gratulieren zu können. Er las eine kurze Passage aus seinem Buch, die zu jenen gehört, die mich bei der Lektüre ganz besonders berührt hatte und die den letzten Satz der Jurybegründung bestätigt.
Sparda Krimipreis (Hauptpreis) für „Asa“ von Zoran Drvenkar
Nach dem 2. Platz beim Deutschen Krimipreis also Platz 1 in Stuttgart. Die Jury sagt zur Begründung: „Drvenkar hat ein großartiges Buch geschrieben, mit starken, manchmal widersprüchlichen und oft auch widerwärtigen Persönlichkeiten, mit denen man bangt, die man verabscheut, manchmal wandeln sich die Gefühle beim Lesen und allein das ist mehr, als die meisten Autoren schaffen. Ein herausragendes Buch.“
Toll, dassZoran Drvenkar mit diesem Thriller so einen Erfolg landen konnte! Es war noch einmal ein schönes Wiedersehen. Und auch er wählte eine kluge Stelle aus für seine kurze Lesung, die einen guten Eindruck vom besonderen Stil und der Atmosphäre des Romans vermittelte.
Und dann waren sie vorbei, die 17. Stuttgarter Kriminächte! Das Publikum feierte die 3 Geschäftsführerinnen, die Autor:innen, Moderator:innen und die Band, bevor dann bei Getränken und Häppchen gefeiert wurde. Die herumgehende Spendenbox war hoffentlich am Ende des Abends randvoll!













