Von Moritz Hildt habe ich bereits 2 Bücher gelesen, die mir gut gefallen haben und so war ich gespannt auf diesen neuen Roman. Leider verpasste ich die Buchpremiere im Stuttgarter Schriftstellerhaus, aber der Duotincta Verlag schickte mir ein Rezensionsexemplar – herzlichen Dank!

Während in den beiden anderen Romanen die Natur, vor allem die in den USA, dem Sehnsuchtsland des Autors, eine große Rolle spielten, spielt diese in dieser Geschichte eher eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht Sebastian Perler, 37 Jahre alt und Mediator. Er ist geschieden und freut sich auf ein Wochenende mit seiner Partnerin Sandra, die als Zugbegleiterin bei der Deutschen Bahn arbeitet. Die beiden verbindet eine lockere Beziehung, die sich an ihren Dienstplänen orientiert und sie in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands zusammenkommen lässt. Für das bevorstehende lange Wochenende der Deutschen Einheit soll Sebastian zum ersten Mal Sandras Familie in einer schwäbischen Kleinstadt kennenlernen, zuvor jedoch wollen sie sich in Paris treffen. Vor diesem Treffen jedoch steht die Begegnung Sebastians mit seiner Exfrau Kati, die in San Francisco lebt, dort, wo sie eigentlich zusammen hinwollten.

Ein verlängertes Wochenende bildet den Rahmen für die komprimierte Handlung dieses Romans. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass Sebastian ein Mensch auf der Suche ist, der Suche nach sich selbst. Er selbst scheint das allerdings nicht so recht wahrhaben zu wollen. Zu sehr geht er in seiner Rolle als Mediator auf: „Dafür schrieb sie mir ihre Gedanken…meist zu irgendwelchen grundsätzlichen Dingen wie der Frage, ob sich Menschen ändern können oder nicht. Als Mediator brauche ich mir über diese Frage zumindest nicht den Kopf zu zerbrechen. In den Gesprächen, die ich begleite, ist das Thema, ob sich jemand grundlegend ändert sowieso tabu.“ Dass Leben Veränderung ist, ist Sebastian zwar theoretisch klar, er selbst jedoch lernt an diesem Wochenende schmerzhaft, dass dieses Tabu ihm selbst schadet und er, um sich auf die Veränderungen in seinem Leben einlassen zu können, aus der neutralen Mediatorenrolle heraustreten muss. Nur so wird er für die Menschen, denen er begegnet, greifbar.

Auch dieses Mal hat mir die poetische Sprache, die Moritz Hildt für seine Geschichte gefunden hat, sehr gut gefallen. Trotzdem entwickelte der Roman nicht dieselbe Sogwirkung wie die beiden Vorgängerbände. Das liegt ganz bestimmt nicht an der literarischen Qualität, sondern womöglich daran, dass mir Sebastian Perler als Mensch ebenso ferngeblieben ist, wie den Menschen, mit denen er es zu tun hat. Vielleicht liegt es aber auch ganz einfach daran, dass ich 30 Jahre älter bin als er und noch dazu eine Frau. Trotzdem habe ich die Lektüre nicht bereut und bin gespannt, was Moritz Hildt sich als nächstes einfallen lässt!

Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen. Der Link führt direkt zum Titel im Webshop.