Ich freue mich, dass ich wieder eine Buchempfehlung von Barbara Scholz bekommen habe! Sie empfiehlt diesen Roman aus der Schweiz zu einem hochaktuellen Thema: Dem Wunsch zugewanderter Familien, in der neuen Heimat akzeptiert zu werden.

Die Familie der namenlosen Erzählerin ist aus Ungarn in die Schweiz emigriert und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Zürich. Ihr größter Wunsch: endlich echte Schweizerinnen werden.

Die Familie ist relativ arm, weshalb die beiden Schwestern sich mit dem Großvater zurammen ein Zimmer teilen müssen. Der Großvater bezeichnet das Haus in dem sie leben als Forelle, weil die Haustür immer offen steht.. Die Erzählerin, am Anfang ca. 10 Jahre alt, nennt das Haus deshalb Fischbauch. Der Vater hat einen Hang zu Höherem, weshalb die Wohnung sehr exquisit, u.a. mit Seidentapeten, ausgestattet ist. Die Erzählerin ist angepasst, hat ständig Angst, etwas falsch zu machen im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester, die mit scharfem, kritischem Verstand immer den Finger auf wunde Stellen legt. Dazu der Großvater, der seine Heimat vermisst und mit seinen Kommentaren immer wieder alles und alle aufmischt. Der Roman beginnt eher schräg und komisch, wofür besonders der Großvater steht mit seinen kauzigen Ansichten. Aber die diversen Formen der  Diskriminierung, der die Familie ausgesetzt ist, werden nicht verschwiegen. Es geht darum, echte Schweizerinnen zu werden, aber auch nach der Einbürgerung hören die negativen Erfahrungen nicht auf. Die Schwester entwickelt sich immer weiter weg aus dem Familienverband. Sie kritisiert zurecht, was das Leben in der Schweiz ausmacht, fangt mit Drogen an und  verschwindet 1981 mit 18 Jahren schließlich ganz aus der Familie. Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach ihr, gerät dabei in die historische Schwimmdemo in Zürich 1981 auf der Limmat, findet die Schwester aber nicht. Erst durch die Polizei erfahren sie, dass sie nicht mehr lebt.  Der Titel des Romans Zu wenig vom Guten steht für die Erfahrungen der Familie und besonders der Erzählerin.

Der Roman  ist sehr konzentriert erzählt, hat mich ungemein berührt und erzählt viel von dem Zusammenstoß unterschiedlicher Kulturen, teilweise, sehr komisch, mit feministischen Anklängen. Gegen Ende bedrückend und melancholisch.

Alles in allem ein bewegendes Leseerlebnis für Leserinnen, die sich für das  Thema Immigration interessieren.

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