Zoran Drvenkar ist ein vielseitiger Autor: Er schreibt Kinderbücher, Jugendbücher und für Erwachsene Thriller, die unter die Haut gehen. In meiner aktiven Zeit war er mehrere Male zu Gast in der Buchhandlung und hat sein Publikum stets begeistert. Nun also ein neuer Thriller von ihm – klar, dass ich den gerne lesen wollte, auch, weil er mich für meine Juryarbeit bei den Stuttgarter Kriminächten interessierte. Ein herzlicher Dank geht an den Suhrkamp Verlag, der mir ein Leseexemplar schickte.
Knapp 700 Seiten – dieser Roman ist nicht nur ein düsterer Thriller, sondern auch eine Familiensaga. Im Mittelpunkt steht die titelgebende Asa. Sie war 6 Jahre im Gefängnis und nach ihrer Entlassung macht sie sich auf einen Rachefeldzug, der sich gegen ihre eigene Familie und eine grausame Tradition richtet, die seit Jahrzehnten die Gemeinschaft, in der sie lebt, beherrscht. Zahlreiche unschuldige Menschen fielen ihr zum Opfer, auch Asas Vater.
Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen. Der Verlag sagt auf der Rückseite des Buches: „ASA ist ein gewaltiger Roman voller Tragik, Liebe, Gewalt, Freundschaft und Verrat. Ein virtuos geschriebener Thriller, eine düstere Familiensaga, ein atemberaubender Racheroman – rasant und mit ungeheurer Wucht erzählt.“ Eigentlich bin ich keine Freundin von Marketingsätzen wie diesen auf Büchern, aber hier muss ich zustimmen – genau so ist es!
Zoran Drvenkar erzählt seine Geschichte in mehreren Zeitebenen und mit mehreren Stimmen. Nicht immer ist gleich klar, wer gerade spricht – gerade bei den mit ASA überschriebenen Kapiteln, in denen sie stets mit „du“ angeredet wird, dauert es eine ganze Weile, bis deutlich wird, wer hier erzählt. Das macht die Lektüre anspruchsvoll, aber auch sehr interessant.
Die Handlung erstreckt sich über gut 100 Jahre deutscher Geschichte von Krieg und Vertreibung. Ausgangspunkt ist das Schicksal eines traumatisierten Mannes, der aus diesem Trauma heraus ein grausames Ritual schafft, das seine Nachkommen durch erbarmungslose Abhärtung davor schützen soll, ähnliches zu erleiden. Wie sich aus diesem Ritual heraus eine immer größer werdende, in sich geschlossene, jede Moral verlierende Gemeinschaft bildet, ist hochaktuell angesichts der zunehmend autoritären und postfaschistischen Entwicklungen unserer Zeit.
Lange hat mich ein Buch nicht mehr so angestrengt, ich brauchte immer wieder eine Pause. Lange aber hat ein Buch auch nicht so lange nachgehallt wie dieses. Wer sich auf die Lektüre einlässt wird mit einem reichen Leseerlebnis belohnt!
Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen. Der Link führt direkt zum Titel im Webshop.
Eine Leseprobe finden Sie hier