Dieser Roman begegnete mir in verschiedenen Foren und Rezensionen und die Vorbestell-Liste der Stadtbibliothek war lang. Und das für ein 590 Seiten-Buch! Umso gespannter war ich, als ich es endlich abholen und lesen konnte!
Ein paar Worte zum Inhalt: Im August 1975 verschwindet die 13jährige Barbara van Laar von einem Sommercamp in den Adirondack Mountains. Das Verschwinden des Mädchens wäre an und für sich schon eine Katastrophe, denn die Wälder des Naturreservats sind einsam und gefährlich. Aber Barbara ist nicht irgendeine Jugendliche, sondern sie ist die Tochter der van Laars – einer Familiendynastie, der die Wälder und das Camp gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Sohn der van Laars, der 14 Jahre zuvor ebenfalls in den Wäldern verschwand und seitdem vermisst wird. Eine hektische Suche beginnt……
Was sich vordergründig wie ein Kriminalroman oder ein Thriller anhört ist weit mehr. Aus mehreren Zeit- und Personenperspektiven entwirft Liz Moore ein Gesellschaftspanorama der 50er, 60er bis in in die 70er Jahre. Alice, die Mutter von Bear und Barbara kommt über das Verschwinden ihres Sohnes nie hinweg. Sie ist unglücklich in ihrer lieblosen Ehe mit dem reichen Banker Peter, für den die Bank, die er in dritter Generation führt, über allem steht. Regelmäßig lädt er zu großen Festen in den Landsitz der Familie ein und da passt es gar nicht, dass die Tochter des Hauses verschwindet. Die frischgebackene Inspektorin Judyta Luptack ermittelt in diesem gesellschaftlichen Gestrüpp und hat es dabei nicht nur mit der arroganten Familie zu tun, sondern auch mit ihrer Rolle als einzige Frau im Ermittlerteam.
Ich fand es großartig, wie es der Autorin von Anfang an gelingt, eine dichte Atmosphäre zu schaffen und eine subtile Spannung aufzubauen, die wie ein Sog wirkt. Sie wird nicht durch äußere Dramatik erzeugt, sondern resultiert aus dem geschickten Aufbau der Handlung und dem Beziehungsgeflecht, das sich nach und nach enthüllt. Natürlich geht es um das Verschwinden der beiden Kinder, aber noch um viel mehr: Die Stellung der Frauen und ihre Schwierigkeiten, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, die Dekadenz einer Oberschicht, die in Geld schwimmt, aber auch die sozialen Unterschiede und Abhängigkeiten im Umfeld der van Laars und die beispielhaft sind für die amerikanische Gesellschaft. Dabei hat der Roman beinahe etwas filmisches – durch geschickte „Schnitte“ führt uns Liz Moore ganz langsam heran an das, was mit Bear und Barbara passiert ist.
Für mich ein tolles Lesevergnügen, ein hochspannender Roman mit Tiefgang, weit mehr als ein Thriller. Absolute Leseempfehlung!
Hier können Sie sich einen Eindruck vom Stil des Romans machen
Wenn Sie Lust bekommen haben, das Buch zu lesen, können Sie es im Vaihinger Buchladen bestellen oder herunterladen