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Bratwurst mit Sauerkraut oder Ende gut alles gut

Der kulinarische Aspekt kommt in dem Kinderbuch, das im Jahr 1962 erstmals veröffentlicht wurde, wirklich nicht zu kurz. Man könnte sogar meinen, dass die diversen Lieblingsgerichte der zwei jugendlichen Helden quasi Motivationscharakter haben, so dass sich die beiden immer wieder aufs Neue in spannende Abenteuer stürzen. Winkt doch am Ende, wenn alles gut gegangen ist, die Belohnung  in Form von Unmengen an Bratwürsten mit kiloweise Sauerkraut oder wahlweise Pflaumenkuchen mit extra viel Schlagsahne. Auch Apfelstrudel steht auf der kulinarischen Hitliste ganz weit oben (Hier wird schon deutlich, welchem Landstrich  der Verfasser zugeordnet werden darf! Sauerkraut, Apfelstrudel? Na klar, ein Böhme!) Aber bis es mal so weit ist, dass sich alle zufrieden um den Tisch versammeln können, muss die besorgte Großmutter mindestens einmal in Ohnmacht gefallen sein und ein kriminelles Element, das auf penetrante Weise die Gegend unsicher macht, hinter Schloss und Riegel gebracht werden. Dann kann so richtig drauf los  gefuttert werden.
Der Verfasser dieser Geschichte weiß, wie er sein junges Publikum begeistern kann. Seiner Meinung nach muss ein Kinderbuchautor drei wichtige Voraussetzungen erfüllen: ”Er muss was zu erzählen haben; er muss sein literarisches Handwerk beherrschen; und hauptsächlich muss er sein Publikum kennen und lieb haben.” Und der hohe Beliebtheitsgrad seiner Bücher beweist, dass er diese drei Voraussetzungen perfekt erfüllt.
Mit Kindern stand er schon von Berufs wegen in Kontakt, denn er arbeitete bis 1970 als Volksschullehrer.  Während der pädagogischen Ausbildung  verdiente er den Lebensunterhalt für die Familie nebenbei als Lokalreporter, der Geschichten für den Kinderfunk schrieb. Außerdem hat er selber drei Töchter, die ihn zu der ein oder anderen Geschichte angeregt haben. ”Was ich von meinen Schulkindern, was ich von Kindern überhaupt lernen konnte, soweit es Geschichten für Kinder betrifft, das glaube ich während meiner Lehrerjahre gelernt zu haben. Es sind Jahre gewesen, in denen auch ich – und zwar unter anderem als Geschichtenerzähler – zur Schule gegangen bin.”
 In 52 Sprachen sind seine Bücher übersetzt worden, die zu den Klassikern der Kinderliteratur zählen. Gleich zweimal ist ihm der Deutsche Jugendbuchpreis verliehen worden. Und er ist auch in schwierigen Zeiten nie von seinem Kurs abgewichen, obwohl ihm im Zuge der 68iger Bewegung vorgeworfen wurde, dass seine Geschichten zu konventionell seien und er den Kindern eine heile Welt vorgaukle, statt sie auf die Realität vorzubereiten. Aber seine Liebe zu Kindern drückt sich gerade dadurch aus, sie nicht zu früh mit Problemen und der Schlechtigkeit der Welt zu konfrontieren. ”Kinder haben ein Recht darauf, Kinder zu sein und bleiben zu dürfen, solange sie Kinder sind.” Mit seinen Geschichten möchte er erreichen, dass sich ”Kinder in der Kunst des Lachens üben” und ihre Phantasie anregen. 
Und das Konzept geht auf. Seine Bücher haben die Kritik der 68iger überlebt, denn gottseidank interessieren sich Kinder sowieso nicht dafür, was Erwachsene an ihren Lieblingsbüchern herumzunörgeln haben. Und so kann eine der besonders berühmten Kinderbuchfiguren dieses Jahr 50igstes Jubiläum feiern! Diese Figur war in den ersten zwei Bänden Schuld daran, dass die zwei jugendlichen Helden nicht gleich zu ihrem Recht kamen, nämlich eine ihrer Lieblingsspeisen zu verdrücken, sondern vorher erst mal haarsträubend komische Abenteuer überstehen mussten. Im dritten Band erfolgt dann die vollständige Rehabilitation des reuigen Bösewichts und so hocken sie zum Schluss alle um den Tisch und futtern, bis sie Bauchweh haben. Ende gut, alles gut!
Von Verlagsseite ist mir sogar  zu Ohren gekommen, dass der Sozialisierungsprozess  inzwischen so weit fortgeschritten ist, dass der ehemalige Straftäter quasi im Haus des Autoren ein und aus geht und sogar höchstpersönlich die Leserbriefe  beantwortet.
Wie heißt der Autor, der nächstes Jahr 90 Jahre alt wird ? Und wie ist der Name  seiner beliebten Kinderbuchfigur, die sich vor der großen Läuterung nicht zu schade war, Großmüttern ihre Kaffeemühlen zu klauen? 
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