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„Nun denn, ich will Ihnen ein Geständnis machen, das noch nie ein Gatte gehört hat; doch die Unschuld meines Handelns und meines Wollens geben mir die Kraft dazu. Es ist wahr, ich habe Gründe, mich vom Hofe fernzuhalten; es ist wahr, ich möchte die Gefahren meiden, die jungen Frauen manchmal drohen. Ich habe niemals ein Zeichen der Schwäche gegeben und würde auch nicht fürchten, es in Zukunft zu tun, wenn Sie mir die Freiheit gewähren wollten, mich vom Hofe zurückzuziehen, oder wenn ich noch meine Mutter hätte, die mich leiten könnte. Ich bitte Sie tausendmal um Verzeihung, wenn ich Gefühle hege, die Ihnen missfallen; ich werde Sie wenigstens nie durch mein Handeln betrüben (...)“.
Übertriebene Aufrichtigkeit innerhalb der Beziehung ist Gift für ebendiese. Das wusste auch schon die Pariser Gesellschaft des 17. Jahrhunderts und schüttelte entsetzt den Kopf über einen Roman, der 1678 erschienen war und in dem es eine Ehefrau wagt, ihrem Gatten zu gestehen, dass sie für einen anderen Gefühle hegt. Natürlich kommt so was in den besten Familien vor und der Tatbestand an sich war kein Grund zur Beunruhigung. Die in der Oberschicht verbreitete sogenannte Konventionsehe ließ sich ja quasi nur aushalten, wenn die aus wirtschaftlichen oder standesgemäßen Überlegungen heraus zusammengeführten Eheleute ihre Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung eben notfalls auch außer Haus stillen konnten. Das wurde stillschweigend  akzeptiert. Aber die Voraussetzung für solch amouröse Abenteuer war, dass die Fassade nach außen hin gewahrt blieb.  Wo käme man  denn da hin, wenn die Eheleute durch Aufrichtigkeit die zerbrechlichen Konstruktionen gefährdeten, die sich die aristokratischen Kreise so mühsam durch Lügen und Heuchlerei aufgebaut hatten.
Aber es gab auch andere Stimmen, die den Mut und die Wahrheitsliebe dieser Frau bewunderten. Die der Meinung waren, dem scheinheiligen Getue am Hofe und in den Chateaus könnte eine neue Moral nun wirklich nicht schaden.
Der Roman löste also einen netten kleinen Skandal aus, der noch dadurch geschürt wurde, dass man nicht sicher wusste, wer da eigentlich die Feder geschwungen hatte. Dass es nur eine Frau gewesen sein konnte, darüber war man sich wohl einig. Aber welche?   Die Gerüchteküche kochte. Aber die Person, die letztendlich auserwählt wurde, diejenige welche zu sein, gab es nie zu. Das hatte mehrere Gründe. Einer war, dass sie sowohl diesen als auch ihre zwei vorherigen Romane nicht alleine geschrieben hatte. Ihre Werke entstanden in Teamarbeit und unter ihren Mitarbeitern befanden sich bekannte Persönlichkeiten wie z. B. die durch ihre Briefe berühmt gewordene Madame de Sévigné. Der Co-Autor des Skandal auslösenden Romans war kein geringerer als der Herzog und Schriftsteller Francois de La Rochefoucauld. Er war 21 Jahre älter als sie und beide verband eine tiefe Zuneigung. Ob ihre Beziehung über den gemeinsamen intellektuellen Austausch hinaus ging, wissen wir nicht. Selbstverständlich waren beide standesgemäß verheiratet. Die besonders romantisch Veranlagten unter den Lesern sahen in dem Autorenpaar natürlich zwei Menschen, die in unerfüllbarer Liebe zueinander verbunden waren,  und interpretierten den Roman als  Schlüsselroman. 
Schlüsselroman oder nicht, einen festen Platz in der französischen Literaturgeschichte war ihm sicher. Er läutete quasi den Beginn einer neuen Entwicklung des französischen Romans ein und gilt als erster  psychologischer Roman. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts standen laut Kindler „umfangreiche historisierende, heroisch-galante oder in eine idealisierte Schäferwelt verlegte Romane“ auf den Bestsellerlisten. Aber dieser Skandalroman war ganz anders, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Dank der lakonischen Schreibweise liest sich der Roman so modern, dass es einem schwer fällt zu glauben, dass er bereits 332 Jahre auf dem Buckel hat. Und zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Kein geringerer als Nicolas Sarkozy hatte sich vor nicht allzu langer Zeit gleich zweimal abfällig über genau dieses kleine Buch geäußert. Offensichtlich hatte er mitgekriegt, dass beim Auswahlverfahren für Beamtenpöstchen auch französische Literatur abgefragt wurde. Das hielt er für völlig unwichtig. Daraufhin regte sich in Frankreich heftiger Protest in Form von öffentlichen Lesungen und der 332 Jahre alte Roman kletterte quasi noch mal auf die Bestsellerliste.
Wie heißt die berühmte französische Schriftstellerin? Und wie ist der Titel ihres historischen Romans, der quasi durch ein Geständnis zum Skandal wurde?

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