„Ich schreibe oft über Menschen, denen es an Größe mangelt, zumindest oberflächlich gesehen. Ich schreibe über „kleine Leute“. Aber gibt es überhaupt „kleine Leute“? Manchmal denke ich, es gibt nur „kleine“ Konzeptionen von Menschen. Nichts, was lebt und tiefer Empfindung fähig ist, ist klein, und, wenn ich es genau betrachte, will mir scheinen, dass die meisten „kleinen“ Leute mit jener Intensität leben, die mir als Schriftsteller Material liefert. Gehört Blanche zu den „kleinen Leuten“? Ganz gewiss nicht. Sie ist ein dämonisches Wesen; was sie empfindet, ist so groß, das sie es nicht verarbeiten kann, daher ihre Flucht in den Irrsinn.“
Mit Blanche ist dem damals noch jungen Autoren eine der großen dramatischen Frauenfiguren des 20. Jahrhunderts gelungen und welche Faktoren dazu beigetragen haben, sie letztendlich in den Irrsinn zu treiben, stellte er in seinem psychologischen Drama auf spannende und sehr differenzierte Art und Weise dar.
Blanche, die vor ihrer Vergangenheit zu fliehen versucht, sucht Unterschlupf bei ihrer Schwester, die in sehr einfachen Verhältnissen in New Orleans lebt. Ursprünglich stammen die Schwestern aus einer wohlhabenden Südstaatenfamilie, aber das große louisianische Anwesen ist inzwischen in die Hände der Gläubiger gefallen und Blanche hadert sehr mit dem sozialen Abstieg. Ihre Schwester kommt damit sehr viel besser klar, denn sie hat im polnisch-stämmigen Stanley einen Mann gefunden, den sie liebt und begehrt.
Mit Blanche und Stanley treffen zwei Menschen aufeinander, die sich von Anfang an nicht ausstehen können. Mit einem feinen Gespür für menschliche Emotionen stellt der Autor im Verlauf des Stückes diese zwei grundverschiedenen Charaktere sehr differenziert dar. Dabei gelingt es ihm, für beide Figuren sowohl Sympathie als auch Ablehnung bei den Zuschauer hervorzurufen.
Er ist das, was man heutzutage einen „Proll“ nennen würde, sie eine arrogante Schnepfe. Er ist laut, grob, triebgesteuert und gewalttätig, wenn Alkohol mit ins Spiel kommt. Auch wenn er auf seine Art sehr unangenehm ist, wirkt er doch authentisch. Sie dagegen spielt von Anfang an eine Rolle – sie trinkt heimlich, gibt aber vor, nie zu trinken. Sie hat es „mit den Nerven“ und lässt sich von ihrer Schwester von vorne bis hinten bedienen und versucht, ihr den nicht standesgemäßen Ehemann auszureden. Sie wirft ihrer Schwester vor, dass sie Liebe mit Begierde verwechselt: „Das, wovon du sprichst, das ist ein brutaler Trieb – nicht Sehnsucht, sondern einfach Begierde! – Begierde, nicht Sehnsucht, bedeutet der Name dieser ausgefahrenen, ratternden Straßenbahn, die hier durch das Viertel holpert, eine alte, enge Straße hinauf und eine alte, enge Straße hinunter....“.
Sie benimmt sich wie eine höhere Tochter, gibt sich romantisch, hat aber ein dunkles Geheimnis. Und das spürt der so unsensible Prolet von einem Schwager von Anfang an. Sein Jagdtrieb ist geweckt. Das Stück endet mit einer Katastrophe, an der Blanche schließlich zerbricht.
Obwohl der Autor dieses Stückes insgesamt mehr als 70 Dramen verfasst hat, beruht seine Popularität vor allem auf seinen bekanntesten drei Stücken, die zwischen 1944 und 1955 entstanden sind. Bis auf eine Ausnahme sind alle seine Bühnenstücke auch verfilmt worden. Außerdem wurde er gleich zweimal mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, im Jahr 1948 für das hier gesuchte Drama und erneut im Jahr 1955 für ein weiteres sehr populäres Stück.
Wie ist der Titel eines der berühmtesten Dramen des 20. Jahrhunderts, das auch nach über 60 Jahren nichts an seiner Faszination eingebüßt hat? Und wie heißt der Autor, der als einer der wenigen amerikanischen Dramatiker von weltliterarischer Bedeutung gilt?
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