Da ist einer, der verlangt mehr vom Leben als nur das Butterbrot. Zugegeben, er hatte eine Riesendummheit begangen und dafür saß er auch ein paar Jahre. Aber jetzt will er anständig bleiben, eine Arbeit finden und ein ordentliches Leben führen. Wenn man ihn denn lassen würde.
Im Vorwort, das der Fischer Verlag auf dem Schutzumschlag der Erstausgabe von 1929 abgedruckt hatte, fasst der Autor für die Leser kurz zusammen, was den Antihelden im folgenden erwarten wird:
" (...) Das gelingt ihm auch anfangs. Dann aber wird er, obwohl es ihm wirtschaftlich leidlich geht, in einen regelrechten Kampf verwickelt mit etwas, das von außen kommt, das unberechenbar ist und wie ein Schicksal aussieht. Dreimal fährt dies gegen den Mann und stört ihn in seinem Lebensplan. Es rennt gegen ihn mit einem Schwindel und Betrug.. Der Mann kann sich wieder aufrappeln, er steht noch fest. Es stößt und schlägt ihn mit einer Gemeinheit. Er kann sich schon schwer erheben, er wird schon fast ausgezählt. Zuletzt torpediert es ihn mit einer ungeheuerlichen äußeren Rohheit. Damit ist unser guter Mann, der sich bis zuletzt stramm gehalten hat, zur Strecke gebracht. Er gibt die Partie verloren, er weiß nicht weiter und scheint erledigt (...).
Unser Mann bekommt dann letztendlich doch noch eine Chance, aber er ist gezeichnet vom Schicksal, "sehr verändert, ramponiert, aber doch zurechtgebogen."
In seinem Roman schildert der Autor das Schicksal eines Kleinkriminellen und Proletariers, der nach einem Gefängnisaufenthalt versucht, wieder Fuß zu fassen, dem der Moloch Großstadt aber keine Chance lässt. Mit der Thematik war er bestens vertraut, kannte er doch als in einem Arbeiterviertel niedergelassener Arzt die Probleme der "kleinen Leute". Er war mit dem Milieu vertraut, interessierte sich seit den zwanziger Jahren zunehmend für das Thema Kriminalität und hatte bereits 1924 die literarische Aufarbeitung eines spektakulären Falls in einem Buch veröffentlicht. Und so kam er dann schließlich auf die Idee, in seinem später bedeutendsten Roman die Schwierigkeiten der Resozialisierung zu veranschaulichen.
Wichtig war ihm dabei auch Authentizität und der zeitgeschichtliche Hintergrund. Dafür sammelte er beispielsweise aktuelle Zeitungsausschnitte, die er mit in den Text integrierte. Aber auch Bibelzitate, Reklametexte, Schlager- und Liedertexte webte er mit in den laufenden Text ein, und so entstand ein äußerst interessanter Montagestil, der den besonderen Reiz dieses Buches ausmacht. Der Roman war ein sensationeller Erfolg, national wie international. 1931 wurde der Stoff mit Heinrich George in der Hauptrolle verfilmt, bis 1933 wurden mehr als 50 000 Exemplare verkauft. Dann wurde das Buch von den Nazis verboten und der zweifelhaften Ehre zuteil, bei der Bücherverbrennung mit auf dem Scheiterhaufen zu landen.
Der Autor emigrierte am Tag nach dem Reichstagsbrand nach Paris, 1940 weiter in die USA. Als er nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurückkehrte, musste er enttäuscht feststellen, dass sein Werk beim deutschen Literaturbetrieb kaum noch Beachtung fand. Erst sein letzter Roman, der ein Jahr vor seinem Tod am 26. Juni 1957 erschien, wird wieder ein großer Erfolg.
Marcel Reich-Ranicki schrieb einmal: "Wenn wir ein Werk finden wollen, das alle Richtungen der Weimarer Republik vereint, in dem sehr viel Neue Sachlichkeit drin ist und viel Expressionismus und noch Naturalismus, ein globales, universales Werk der Weimarer Republik, dann ist wohl ein einziges zu nennen: (...)."
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