„Um wahrhaft außergewöhnliche Eigenschaften im Charakter eines Menschen zu entdecken, muß man das Glück haben, sein Tun über Jahre beobachten zu können. Wenn dieses Tun frei ist von jedem Egoismus, wenn die Idee, die sein Handeln leitet, von beispielloser Großzügigkeit ist, wenn ganz sicher ist, dass es nicht auf irgendeine Belohnung aus war, und wenn es obendrein in der Welt sichtbare Spuren hinterlassen hat, dann hat man ohne jeden Zweifel einen unvergesslichen Charakter vor sich.“
Mit diesen Worten beginnt die kleine Geschichte um einen außergewöhnlichen Mann, den der Schriftsteller, der diese kleine Geschichte erzählt, in jungen Jahren auf einer seiner vielen Wanderungen durch die Landschaften seiner Heimat kennenlernen durfte. Der Schriftsteller traf damals kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf den sehr viel älteren Mann, der als Schäfer in der Einsamkeit der nördlichen Provence lebte und dem erschöpften Wanderer Wasser und ein Nachtlager anbot. Der Schäfer wirkte zufrieden und eins mit sich und seiner Welt und weckte das Interesse seines jungen Gastes. „Das Zusammensein mit diesem Mann schenkte Frieden. Am nächsten Tag bat ich ihn, mich den ganzen Tag bei ihm ausruhen zu dürfen. Er fand es ganz natürlich, oder genauer, er ließ mich spüren, dass nichts ihn stören könnte. Dieses Ausruhen hatte ich nicht nötig, aber ich war neugierig geworden und wollte mehr erfahren."
Am nächsten Tag begleitete er den Schäfer in die Landschaft und konnte ihn bei seiner täglichen Arbeit beobachten. Er pflanzte Eichen. Seit drei Jahren tat er dies bereits. „Er war zu der Einsicht gekommen, dass dieses Land aus Mangel an Bäumen starb, und fügte hinzu, dass er, da er nichts sehr Wichtiges zu tun habe, beschlossen habe, diesem Zustand abzuhelfen.“
Nach Kriegsende kehrte der junge Schriftsteller in diese einsame Gegend zurück, wo er wieder auf den ungewöhnlichen Mann traf, der inzwischen, ohne sich groß um den Krieg gekümmert zu haben, unbeirrt weitergepflanzt hatte. Gemeinsam gingen sie einen Tag lang durch dessen Wald.
„Wenn man bedachte, dass alles – ohne technische Hilfsmittel – aus den Händen und der Seele dieses Mannes hervorgegangen war, dann wurde einem klar, dass die Menschen nicht nur zu zerstören vermochten, sondern auf anderen Gebieten so viel bewirken könnten wie Gott.“
Dieser Mann hat tatsächlich gelebt und der Schriftsteller hat ihn bis kurz vor dessen Tod im Jahre 1947 regelmäßig in der Einsamkeit der Basses-Alpes besucht.
Diese kleine Geschichte ist exemplarisch für seine schriftstellerische Arbeit, die sich durch eine sehr große Verbundenheit zu seiner Heimat und zur Natur auszeichnet. Er sah sich als eine Art Chronist, hat sich die verschiedenen Landschaften und Orte der Haute Provence regelrecht erwandert und schrieb wunderbare Texte über das, was er gesehen hat. Der überzeugte Pazifist verließ seine Heimat nur selten und starb 1970 in seinem Geburtsort.
„Es gibt keine Provence. Wer sie liebt, liebt die Welt, oder er liebt nichts.“
Wie heißt der Schriftsteller, den André Gide den „Vergil der Provence“ nannte? Und wie ist der Titel der Geschichte, die 1949 erschien, zu einem Klassiker der französischen Literatur wurde und seit kurzem wieder in einer wunderschönen deutschen Ausgabe erhältlich ist?
Wenn Sie hier klicken, bekommen Sie 3 Lösungsvorschläge









