Um als junge Dichterin erfolgreich zu werden, gehört neben Begabung, Selbstvertrauen und Hartnäckigkeit auch eine kleine Portion Glück. Den geglückten Beginn ihrer Karriere hat sie gute dreißig Jahre später während eines Vortrages einmal folgendermaßen geschildert: „Wenn Sie also hören wollen, wie damals so eine Dichterlaufbahn begann, nun denn: Bei mir fing es gleich mit dem Anfang an. Das tut es ja meistens, aber oft hört’s auch gleich mit dem Anfang auf. Da schreibt so ein hoffnungsvoller Dichterling sein erstes Opus, schickt’s hinaus in die Welt, gewöhnlich per Reichspost (heute heißt das wohl Bundespost), und schwupp – bringt’s der Briefträger zurück. Die Redaktion >bedauert<. (Wenn sie das noch tut. ).... Meine Ambitionen hingegen waren beträchtlich. Es musste immer gleich alles sein – oder nichts. Und so sandte ich denn das erste Gedicht, das mir nach reiflicher Prüfung doch etwas zu gut für den Papierkorb schien, an die Redaktion der strengsten Zeitung Berlins, das war die >Vossische <. Und kurz darauf stand mein Name, unwiderruflich, gedruckt unter dem ersten Gedicht; bald unter dem zweiten, dann unter einem Prosastück im Feuilleton und schließlich in der Literaturbeilage, hochnobel. Der Anfang hatte also angefangen. Das war so um 1930 (...).“
Die junge Frau schrieb sich mit ihren Zeitungsgedichten in die Herzen der Leser. Damals war die pointensichere Großstadtlyrik sehr beliebt, Kästner und Ringelnatz standen hoch im Kurs. Die junge Kollegin mischte in ihren Gedichten erfolgreich den Berliner Witz mit der Melancholie aus dem jüdischen Osten. Sie fand schnell Anschluss an die künstlerische Avantgarde, traf sich mit Literaten wie Tucholsky, Klabund, Else Lasker-Schüler und Kästner und Ringelnatz im „Romanischen Café.
Das Glück ist arm an Phantasie. Sein Repertoire ist ziemlich klein; Das Unglück aber – ein Genie! Ihm fällt stets etwas Neues ein.
1933 erschien ihr erster Gedichtband. Die erste Auflage war schnell vergriffen, Verleger Ernst Rowohlt wagte nicht nur eine weitere Auflage, sondern auch 1935 einen zweiten Gedichtband. Allerdings wurden beide Bücher bei einer Neuauflage in der Druckerei beschlagnahmt, die Autorin aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und jegliche Verbreitung der Texte untersagt. Verhindern konnte man die Verbreitung der Gedichte dadurch aber nicht. Die Leser schrieben sie mit der Hand oder mit der Maschine ab und reichten sie weiter.
Nach Erscheinen der ersten zwei Gedichtbände schrieb Hermann Hesse in Neue Deutsche Bücher: „(...) Die Verse und Prosaskizzen der jungen Dame entsprechen in ihrer ganzen Weltanschauung – vielmehr, in ihrer ganzen Lebensstimmung trotzdem einem großen Teil der großstädtischen Jugend und finden bei ihr ein starkes Echo. Es ist eine Stimmung voll Jugend und zugleich voll Ernüchterung, eine verfrühte Enttäuschung und heimliche Verzweiflung liegt im Kampf mit den starken Instinkten der Jugend, man ist voll Gefühl und Sehnsucht, weiß damit aber wenig andres anzufangen, als darüber zu spotten, aber man möchte gern an irgend etwas glauben und weiß nicht an was (...)“.
1938 emigrierte die erfolgreiche Autorin mit Mann und Kind nach New York. Die Gedichte, die im Exil entstanden, sprechen von Heimatverlust und Sehnsucht nach Deutschland. Der kesse, jugendliche Ton der leuchtenden Berliner Zeit war verklungen. 1960 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Jerusalem. 1974 kam sie noch einmal nach Berlin zurück, um ein letztes Mal vor Publikum zu lesen. Anfang 1975 starb sie in Zürich.
„Mein Epitaph: Vergebens. Sie starb an den Folgen des Lebens.“
Wie heißt die Autorin, die vor 100 Jahren in Galizien geboren wurde? Und wie ist der Titel ihres ersten, 1933 veröffentlichten Gedichtbands?
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