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Die Stadt Berlin spielte eine wichtige Rolle in seinem Leben, obwohl er ganz schön in der Weltgeschichte herumgekommen war. Nicht unbedingt aus freien Stücken – die zeitgeschichtlichen Hintergründe waren denkbar ungünstig – dennoch hatten sich die fünfzehn Exiljahre positiv auf seine schriftstellerische Produktivität ausgewirkt.
Seine Odyssee begann am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand. Er musste mit seiner Familie Berlin verlassen, die Stadt, in der er am Theater am Schiffbauerdamm seinen endgültigen Durchbruch gefeiert hatte. Dort wurde am 31.8.1928 ein Stück von ihm uraufgeführt, das ihn weltberühmt machen sollte. Obwohl die Theaterleitung mit diesem Erfolg gar nicht gerechnet hatte. Sie hatte das Stück zwar für die Eröffnung des Hauses ausgewählt, war aber andererseits so skeptisch, dass sie parallel noch ein Ersatzstück proben ließ. Was nicht nötig gewesen wäre. Das Berliner Publikum, von Inflation und Arbeitslosigkeit gebeutelt, war begeistert. Hier zeigt jemand, wer die reichen Kapitalisten wirklich waren, nämlich Verbrecher, die verantwortlich dafür waren, dass die Gesellschaft vor die Hunde ging. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Dieser und viele andere Liedtexte aus dem Stück wurden zu echten Klassikern.

Kreuz und quer durch Europa

Also fort aus Berlin. Denn er stand auf der Verhaftungsliste der Nazis ziemlich weit oben. Schuld daran war eines seiner Gedichte aus seinem sehr umfangreichen lyrischen Werk. Besagtes Gedicht erzählte von einer Soldatenleiche, die ausgegraben und wieder in den Krieg geschickt wurde. Diese Kritik an der Perversität des Krieges hatte den zukünftigen Machthabern wohl nicht gefallen.
Kreuz und quer durch Europa also: Prag, Wien, Zürich, das Tessin, Sanary-sur-Mer – ein entzückendes kleines Küstenörtchen an der Cote d’Azur, das zu einer Art Sammelbecken für viele deutsche Schriftsteller wurde, die vor den Nazis flohen und von dort aus mit gebührendem Abstand die politische Lage beobachten konnten, bevor sie dann gezwungenermaßen Richtung Amerika emigrierten. Hier besuchte er seinen Freund Lion Feuchtwanger, den er aus Münchner Zeiten kannte. Dessen Einfluss hatte er es zu verdanken, dass eines seiner Stücke zum ersten Mal auf die Bühne kam, nämlich 1922 an den Münchner Kammerspielen.
Weiter ging es nach Paris, London, Dänemark, Schweden, Finnland, 1941 von Russland aus mit dem Schiff nach Amerika. Das amerikanische Sammelbecken für emigrierte Schriftsteller hieß Santa Monica bei Los Angeles. Hier traf er viele Kollegen aus Sanary-sur –Mer wieder: Thomas Mann, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger und viele andere.

Zurück nach Berlin

Die Vereinigten Staaten verließ er im Herbst 1947, einen Tag nach dem Verhör, das viele deutsche Schriftsteller vor dem McCarthy-Comitee über sich ergehen lassen mussten. Der Grund dafür war Verdacht auf kommunistische Unterwanderung.
Also schnell weg und in ein neutrales Land. Die Schweizer waren die einzigen, die den staatenlosen Schriftsteller aufnahmen. Erst 1950 wurde er in Österreich eingebürgert, seine zweite Ehefrau stammte aus Wien. Österreichischer Staatsbürger blieb er bis an sein Lebensende, obwohl er 1948 nach Deutschland zurückkehrte.
Als er 1948 Richtung Berlin reisen wollte, verweigerten ihm die Westalliierten die Durchreise. Er musste über Salzburg und Prag nach Berlin. Dort blieb er bis zu seinem Tod. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er 1949 das Berliner Ensemble am Deutschen Theater.
Die letzten Jahre lebte er in einer Wohnung in der Chausseestraße. Gegenüber liegt ein kleiner romantischer Friedhof. Der lag damals auch schon da und auf ihm viele bekannte Dichter und Denker, u.a. der von ihm sehr verehrte Philosoph Hegel.
„Im Falle meines Todes möchte ich nirgends aufgebahrt und öffentlich ausgestellt werden. Beerdigt werden möchte ich auf dem Friedhof neben dem Haus, in dem ich wohne.“
Seit dem 14.8.1956 liegt er da. An der Friedhofsmauer lehnt ein einfacher unbehauener Stein, beschriftet nur mit seinem Namen, davor blühen Stiefmütterchen in allen Farben.
Sein Leben war unbequem, er selbst auch. Kurz vor seinem Tod sagte er: „ Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tode zu bleiben gedenke.“

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