Auslöser für dieses Rätsel war ein Besuch im schwäbischen Schloss Fachsenfeld, ein kulturelles Kleinod inmitten einer idyllischen Landschaft. Fachsenfeld bietet dem entzückten Besucher nicht nur ein Schlösschen, das man am liebsten sofort beziehen möchte, und einen englischen Park, sondern zusätzlich wechselnde Ausstellungen in dem zur Galerie umgebauten ehemaligen Ökonomiegebäude. Kürzlich hieß die Ausstellung „Vater & Sohn“, in dem Fall Franz Josef Tripp und Jan Josef Tripp. Und bei dem Namen Tripp dürfte es jetzt eigentlich schon mal klingeln, denn den kennen wir doch als Illustrator von ganz bekannten Kinderbüchern. Ich meine natürlich Tripp den Älteren, also den Franz Josef. Und so stand ich vor den Originalillustrationen und flugs fand ich mich auch schon in den jeweiligen Geschichten wieder. Dank der Bilder waren die Buchinhalte plötzlich wieder sehr präsent. Und die Idee für das nächste Rätsel auch.
Ich hatte die Bücher zu den ausgestellten Bildern als Kind Dutzende Male gelesen. Aber eines davon hatte sich dank der überaus kreativen Inszenierung einer bekannten Augsburger Firma besonders eingeprägt. Um genau dieses wunderbare Buch soll es jetzt gehen.
Der Illustrator Tripp und der Autor des Kinderbuches hatten damals sehr eng zusammengearbeitet. Damals, das war so um 1960. Es war das erste Kinderbuch des Autoren. Er hatte auch vorher schon geschrieben: als Jugendlicher die obligatorischen Gedichte, später Theaterstücke (erfolglos) und Texte fürs Cabaret (u.a. für die Münchner Lach- und Schießgesellschaft).
Als er beschloss, einmal etwas ganz anderes zu schreiben, sollte es ursprünglich ein Bilderbuchtext werden. Aber während er schrieb, schien sich die Geschichte selbständig zu machen. Am Ende hatte er ein Manuskript von 600 Seiten. Zur Entstehungsgeschichte seines Erstlings erzählte er später in den zahlreichen Interviews, dass er beim Schreiben des ersten Satzes überhaupt kein Konzept gehabt habe. Er sei selber immer wieder überrascht darüber gewesen, wohin ihn die Geschichte führte. Da hatte wohl die Phantasie den Autoren an die Hand genommen. Oder waren es die Figuren, die ihren Autoren den Weg gezeigt haben? Wenn ich an die Charaktereigenschaften der Figuren denke, dann würde ich sagen, die wussten, wo’ s lang geht.
Diese Geschichte – laut Autor eine „etwas skrupellose Mischung aus Märchen, Abenteuergeschichte und Science-Fiction-Elementen“ – war Anfang der 60iger Jahre etwas relativ neues. Viele Verlagslektoren konnten das Manuskript nicht so recht einordnen. Diese ungewöhnliche Geschichte voller eigenwilliger Drachen, gefühlsduseligen Schienenfahrzeugen, einem souveränen Maschinisten und einem kleinen tapferen Jungen mit Migrationshintergrund traute man den kleinen Lesern wohl nicht zu. Es dauerte fast zwei Jahre, bis sich ein Verlag fand, der das Manuskript nicht mit den Worten „Ganz nett, aber es passt nicht in Verlagsprogramm“ zurück schickte. Diesem traditionsreichen Verlag, der 1849 in Stuttgart gegründet wurde und einer der ältesten Kinderbuchverlage Deutschlands ist, passte das Buch ganz prima ins Programm.
Und der richtige Riecher wurde belohnt. Das umfangreiche Manuskript wurde aufgeteilt und 1960 erschien der erste von zwei Bänden. Im Jahr darauf wurde das Buch mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet, 1962 erschien der zweite Band.
Die Titel waren so erfolgreich, dass der Verlag kaum mit dem Nachdrucken hinterher kam. Und der Autor war jetzt finanziell unabhängig und konnte sich von nun an ganz auf das Schreiben konzentrieren.
Er hat im Verlauf seiner Schriftstellerkarriere noch einige Kinder- und Jugendbücher geschrieben, zwei davon wahrhafte Bestseller und in der ganzen Welt bekannt.
Auf die Frage, welches seiner Bücher ihm am meisten am Herzen liege, antwortete er einmal: „Es gibt so etwas wie die erste Liebe. Die ist immer ein besonderes Erlebnis. Man hat vielleicht später wichtigere und schicksalhaftere Lieben, aber die erste Liebe behält irgendwie einen Zauber, der sich nicht mehr wiederholt. (...) Es war mein erstes Buch und auch mein erster Erfolg. Ich habe die Geschichte damals mit einer großen Unschuld geschrieben. Ich hatte mir überhaupt nichts davon versprochen, hatte das Buch einfach nur mir selbst erzählt.“
Wie heißt der bekannte Autor? Und wie ist der Titel seines ersten Kinderbuches?
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