„Die Rolling Prairie lag im Mittagssonnenglanz. Hügel auf Hügel, bewachsen mit dichtem Gras, dessen Halme sich im leisen Wind bewegten, war sie wie ein Smaragdsee, dessen Wellen plötzlich erstarren mussten. Eine dieser Wogen glich in Länge, Gestalt und Höhe der andern und wenn man aus einem der Wellentäler in das andre kam, hätte man sie miteinander verwechseln können. Rundum nichts als Wellenhügel, so weit der Blick reichte. Wer sich hier nicht nach dem Kompass oder dem Stand der Sonne richtete, der musste sich verirren, wie sich der Laie im kleinen Boot auf der weiten See verirrt.
In dieser grünen Einöde schien es kein Lebewesen zu geben. Nur droben, hoch in den Lüften, zogen zwei schwarze Hühnergeier, scheinbar ohne die Flügel zu bewegen, ihre Kreise. Doch sollten sie wirklich die einzigen Geschöpfe sein, die es hier gab? Nein, denn soeben ließ sich ein kräftiges Schnauben vernehmen und hinter einem der Wellenberge kam ein Reiter hervor, und zwar eine recht seltsame Erscheinung. (...).“
Na endlich! Diese Landschaftsbeschreibungen waren mir früher als junge und sehr ungeduldige Leserin viel zu langatmig, unnötiges Füllmaterial. Ich wollte Action. Und Action gab es in diesen Abenteuerromanen von verlässlicher Regelmäßigkeit. Ansonsten würde man ja auch nicht von Abenteuerromanen sprechen.
Zwar wurde die „seltsame Erscheinung“ auch erst mal ausführlich in ihrer Seltsamkeit beschrieben, aber da es hier um eine handelnde Person, womöglich gar um einen echten Helden ging, war das schon etwas spannender als wogende Gräser. Und echte Helden gab es nicht zu knapp. Darunter waren ein paar wahre Lichtgestalten, die Horden von jungen Lesern seit Generationen in ihren Bann ziehen. Mutige und edle Männer, die dank der zahlreichen Schurken und Ganoven, die ihnen ständig in dieser allgegenwärtigen Landschaft auflauern, immer wieder ihre erstaunliche und bewunderungswürdige All-Round-Kompetenz unter Beweis stellen müssen - oder besser- dürfen. Hach, wie war das schön, wenn so ein fieser Bösewicht mal wieder ordentlich eine zentriert bekam. Allerdings gab es nicht nur Kinnhaken. Ob gut oder böse, man war in dieser Welt seines Lebens nicht sicher, und es wäre müßig, all die Unglücklichen zu zählen, die durch die Phantasie des Urhebers zu Tode kamen.
Diesem guten Mann mag man ja so einiges nachsagen, aber Phantasie hat er gehabt und zwar eine enorm ausgeprägte. Für einen Schriftsteller ist das ja auch nicht verkehrt. Aber in diesem Fall handelte es sich um eine derart ausgeprägte Phantasie, dass er womöglich irgendwann selbst daran zu glauben begann, er hätte diese Abenteuer alle höchstpersönlich erlebt. Viele seiner Leser haben das zumindest geglaubt und er schürte diese Begeisterung nur zu gern. Er posierte für seine Fans in diversen Heldenkostümen. Er gab vor, 40 Sprachen zu sprechen, darunter auch einige sehr exotische Dialekte (was sich als äußerst nützlich erwiesen haben musste, da ihn seine zahlreichen Abenteuer ja in so manch entlegenen Winkel der Welt führten).
Aber er hatte nicht nur Fans und musste sich während seiner bewegten Laufbahn als Schriftsteller des öfteren mit dem Vorwurf der Hochstaplerei auseinander setzen. Warum aber dieses Lügengebilde, das immer wieder einzustürzen drohte? War es übersteigerte Geltungssucht oder womöglich eine ausgeklügelte Marketingidee? Wie dem auch sei, fest steht, dass sein enorm umfangreiches schriftstellerisches Werk aus der Literaturgeschichte nicht mehr wegzudenken ist. Seine berühmten Figuren wurden zu Legenden. Und den begeisterten jungen Lesern war und ist es doch eher egal, ob der Autor die Schauplätze seiner Romane mit eigenen Augen gesehen hatte oder nicht. Jules Verne war ja auch nicht auf dem Mond und 10 000 Meilen unterm Wasser gewesen, wie Bertha von Suttner in einem Nachruf für den 1912 verstorbenen Schriftsteller treffend argumentierte.
Wie heißt der Autor, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern zählte? Und wie ist der Titel seiner berühmtesten Trilogie?
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