Auf dem Unterdeck, in dem Gewirr von zweihundert Stimmen vergaß er sich oft und bestand vorweg im Geiste das Seeabenteuer der leichten Unterhaltungsliteratur. Er sah sich von sinkenden Schiffen Menschen retten, im Orkan die Masten kappen, mit einem Seil durch die Brandung schwimmen, oder als einsamer Schiffbrüchiger, barfuß und halbnackt über bloßgelegte Riffe wandern auf der Suche nach Muscheln, um dem Hungertod noch einmal zu entrinnen. Er begegnete Wilden an tropischen Gestaden, unterdrückte Meutereien auf hoher See und sprach verzweifelten Männern, die in einem kleinen Boot auf dem Ozean trieben, Mut zu – immer beispielhaft in seinem Pflichteifer und so unermüdlich wie ein Held in einem Buch (...)“.
Der junge Mann, der sich hier seinen jugendlichen Heldenträumen hingibt, ahnt noch nicht, dass er in naher Zukunft in eine Situation kommen wird, in der er seine persönliche Vorstellung von einem Helden in die Tat umsetzen könnte. Die Chance, viele Menschenleben zu retten, bekommt man ja nicht alle Tage geboten. Aber eines Tages ist es dann soweit. Er hatte den Posten des Ersten Offiziers auf einem Dampfer übernommen, der Hunderte von Pilgern an ihr Ziel bringen soll. In einer verhängnisvollen Nacht kollidiert der Dampfer mit etwas Unbekannten und die Folge ist ein großes Leck am Bug.
Die Crew verlässt in einem der wenigen Rettungsboote das Schiff, ohne die schlafenden Passagiere überhaupt zu warnen. Auch der junge Mann, der einst von einem Leben als Held träumte, verlässt voller Angst das Schiff und überlässt die Menschen, die ihm anvertraut wurden, ihrem Schicksal.
Wider Erwarten und glücklicherweise wird der leckgeschlagene Dampfer von einem anderen Schiff aus der Seenot gerettet und die Crew findet sich im folgenden vor Gericht wieder, wo sie sich für ihr Fehlverhalten verantworten muss. Der junge Mann verliert sein Patent und seine Ehre. Den Rest seines Lebens verbringt er auf der Flucht vor sich selbst. Die Schuld, die er auf sich geladen hat, erdrückt ihn und er findet letztendlich keinen inneren Frieden.
Ursprünglich wollte der Autor nur eine Kurzgeschichte über das Pilgerschiff schreiben, dessen Schicksal auf einer wahren Begebenheit beruhte. Im Jahre 1880 war ein unter britischer Flagge fahrender Dampfer mit tausend moslemischen Pilgern an Bord von Singapur aus Richtung Mekka in See gestochen. Als das Schiff in einem Sturm leck schlug, kümmerten sich die weißen Offiziere nur um ihre eigene Rettung.
Aber dann erkannte der Autor, „dass die Pilgerschiff-Episode ein guter Ausgangspunkt für eine freie und weitausholende Geschichte war (...)“. Und schrieb einen Roman, der heute als sein bekanntestes literarisches Werk gilt.
Er kannte die maritime Welt, die er in seinen Romanen und Erzählungen beschrieb, aus eigener Erfahrung. Schon als Junge machte sich in ihm der Berufswunsch breit, später einmal zur See zu fahren. Die Eltern wären bestimmt entsetzt gewesen, starben aber so früh, dass sie keinen Einfluss mehr auf die Berufswahl des Sohnes nehmen konnten. Und auch der Onkel, bei dem der verwaiste Junge aufwuchs, konnte den Neffen nicht von seiner fixen Idee abbringen. So ging er im Alter von siebzehn Jahren zur Marine nach Marseille, später dann zur britischen Handelsmarine. Er erwarb die britische Staatsbürgerschaft und wurde Kapitän. Er bereiste berufsbedingt viele exotische Länder, die er deshalb in seinen Werken auch so anschaulich und realitätsnah schildern konnte. Seine Liebe zum Meer floss buchstäblich in sein Werk mit ein. Nach zwanzig Jahren auf See musste er aus gesundheitlichen Gründen seinen persönlichen Anker werfen und lebte fortan als Schriftsteller in England.
Wie heißt der Autor, der erst mit 19 Jahren die englische Sprache erlernte, in der er dann seine sprachgewaltigen Romane schrieb? Und wie ist der Titel seines bekanntesten Romans, der 1900 erschien und 1927 ins Deutsche übersetzt wurde?









