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Wer nicht nur isst, um satt zu werden, sondern kulinarischen Genüssen aufgeschlossen gegenüber steht, der käme kaum auf die Idee, bei einer Reise in die Länder des nördlichen Europas als Aufenthaltsgrund die zu erwartenden lukullischen Gaumenfreuden anzugeben. Natürlich gibt es dort inzwischen auch ein paar Sterneköche, aber wenn Sie in Oslo, Stockholm oder Kopenhagen richtig exquisit essen gehen wollen, dann müssen Sie sich den Rest der Woche von Knäckebrot und warmen Würstchen (die so schmecken wie sie heißen, nämlich Pölser) ernähren, um das Loch in der Urlaubskasse auszugleichen.
Eine gewisse Freudlosigkeit hinsichtlich der Esskultur kann also weder in Dänemark, Schweden noch in Norwegen von der Hand gewiesen werden. Vor allem in Norwegen. Das mag daran liegen, dass hier im 19. Jahrhundert die pietistische Bewegung auf besonders fruchtbaren Boden fiel. Die Folgen reichen offenbar noch heute bis in die norwegischen Küchen hinein.

„Ein karger kalter Imbiß mit einer Tasse Kaffee war die aufwendigste Mahlzeit, zu der sie jemals einen Gast gebeten hatten.“

Folgende Erzählung spielt just zu der Zeit, als der Pietismus in voller Blüte stand. Schauplatz der Handlung: Ein kleiner Ort an einem norwegischen Fjord in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Auch hier haben sich viele Menschen einer Sekte angeschlossen, die vom hoch verehrten, inzwischen verstorbenen Propst gegründet wurde.
„Die Mitglieder versagten sich die Freuden dieser Welt; denn die Erde mit ihren sämtlichen Gaben galt ihnen als eine Art Sinnentrug, und die einzige Wirklichkeit war das Neue Jerusalem, nach dem sie strebten. Sie enthielten sich jeglichen üblen Worts, ihre Rede war ja ja und nein nein, und sie nannten einander Brüder und Schwestern.“
Nun aber jährt sich der Geburtstag des Propstes zum hundertsten Mal und seine Töchter wollen diesen Tag festlich begehen. An ein Festessen hatten sie in diesem Zusammenhang allerdings mitnichten gedacht, denn „ein karger kalter Imbiß mit einer Tasse Kaffee war die aufwendigste Mahlzeit, zu der sie jemals einen Gast gebeten hatten.“
Umso mehr werden sie daher von der Bitte ihrer Köchin überrumpelt, dem feierlichen Anlass durch ein mehrgängiges Menü Glanz zu verleihen. Obwohl ihnen „der Gedanke nicht geheuer“ ist, stimmen sie zu. Natürlich nicht ohne dabei ein schlechtes Gewissen gegenüber den geladenen Gästen zu verspüren, die sie dann auch prompt wegen der zu befürchtenden Gaumenfreuden vorwarnen.
Im Verlauf der Erzählung prallen dann wahre Kochkunst und asketische Genussverweigerung aufeinander.
Die Autorin war selbst keine Kostverächterin und liebte zeitlebens die Rolle der Gastgeberin. Sie wurde in Nordeuropa geboren, lebte aber lange Zeit auf einem anderen Kontinent. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, schrieb sie ihre Werke zuerst in englischer Sprache und übersetzte sie dann in ihre Muttersprache. Sie verfasste zahlreiche Kurzgeschichten und eine Autobiographie, die 1937 zuerst unter einer ihrer zahlreichen Pseudonyme in den USA erschien. Mit diesen Erinnerungen wurde sie bekannt. Weltberühmt aber erst, als der Stoff 1988 erfolgreich verfilmt wurde. Bedauerlicherweise lebte sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, da sie 1962 an den Folgen einer lebenslangen Erkrankung starb.
 „Ich habe nur einen einzigen Ehrgeiz, Geschichten zu erfinden, sehr schöne Geschichten.“ Die Erzählung, von der hier die Rede ist, ist eine sehr schöne Geschichte. Verfilmt wurde sie übrigens auch.

Wie heißt die Autorin? Und wie ist der Titel ihrer schönen Erzählung, die 1952 im Original und 1970 in deutscher Übersetzung erschien?

Wenn Sie hier klicken, bekommen Sie 3 Lösungsvorschläge
 
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