Sein berühmtester weiblicher Fan bat einmal darum, den Grad der Blutrünstigkeit in seinen Romanen doch etwas zu senken. Sie war diejenige, die immer das erste Exemplar des jeweils neuesten Krimis erhielt und ihre Meinung schätzte der Autor sehr.
Die verträgliche Dosis an Blutrünstigkeit ist natürlich eine sehr individuelle Angelegenheit. Manch ältere Dame ist da offensichtlich etwas empfindsamer. Um ein bisschen Blut und andere Flüssigkeiten kommen Krimifreunde aber kaum herum. Auch bei diesem Autoren nicht. Aber selbst wenn die zahlreichen Opfer in seinen zahlreichen Krimis nicht gerade sanft entschlafen und manchmal recht makaber zu Tode kommen (wie z. B. das bedauernswerte Opfer, dessen Kopf eingegipst wurde), so neigt er keinesfalls zu all zu drastischen und plastischen Beschreibungen. Es bleibt also noch genug Raum, um die eigene Phantasie ins Spiel zu bringen. Und wenn die dann rot sieht, dann kann der Autor nur bedingt dafür verantwortlich gemacht werden.
Soviel zur Blutrünstigkeit. Zum Charakter der Romanhelden hatte die berühmte alte Dame ihrem Lieblingsautor gegenüber sicher keine Änderungsvorschläge zu machen. Alle seine Helden sind echte Gentlemen. Der Autor sagte einmal in einem Interview, er würde seine Romanhelden nie Dinge tun lassen, die er selbst auch nicht täte.
Seine Helden sind vom eher unauffälligen Typ, sympathisch, gradlinig, sehr rational, charakterstark und meist nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Contenance bewahren gehört zum guten Ton.
Auf einen immer wiederkehrenden Serienhelden hat der Autor verzichtet. Bis auf eine kleine Ausnahme. Aber diese Ausnahme taucht auch nur in gerade mal vier von inzwischen insgesamt vierzig Romanen auf. Ihn einen Serienheld zu nennen, ist so gesehen etwas übertrieben. Trotzdem ist diese Figur eine sehr interessante. Denn sie hat einiges mit dem Autoren gemeinsam.
Sein erster Krimi erschien 1962. Dies war nicht seine erste Veröffentlichung. Ein paar Jahre zuvor hatte er bereits eine Autobiographie geschrieben und arbeitete als Sportreporter beim London Sunday Express. Er gehört allerdings nicht zu den Menschen, die sich schon im zarten Grundschulalter zum Schriftsteller berufen fühlen. Ganz im Gegenteil. Er fühlte sich schon im Grundschulalter zu einer gar nicht zarten Sportart berufen. Aber wie es bei Berufssportlern ja oft geradezu buchstäblich der Fall ist; irgendwann geht irgendetwas im Körper kaputt und dann muss man sich beruflich neu orientieren.
Und man kann mit Gewissheit sagen, dass die berufliche Neuorientierung ungeheuer erfolgreich war und immer noch ist. Er ist quasi von einer Karriere in die nächste gestolpert, um es mal salopp auszudrücken.
1999 wollte er eigentlich mit dem Schreiben aufhören. Mit fast 80 Jahren ein verständliches Anliegen. Aber da bat ihn die bereits mehrfach erwähnte Leserin um ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk. Sie wünschte sich zu ihrem 100. Geburtstag einen weiteren Krimi von ihrem Lieblingsautoren. Solch eine Bitte kann man als Gentleman und überzeugter Monarchist natürlich nicht ausschlagen. Also erschien im Jahre 2000 sein vorerst letzter Krimi. In diesem Jahr starb auch seine Frau und viele Fans hatten sicher befürchtet, dass er das Schreiben jetzt endgültig aufgeben würde. Zumal irgendein Zeitgenosse in einer nicht-autorisierten Biographie das Gerücht in die Welt setzte, dass eigentlich seine Frau all die erfolgreichen Romane geschrieben hätte.
Der Gegenbeweis erschien letzten Herbst in der deutschen Übersetzung.
Wie heißt der Autor, dem u.a. dreimal der Edgar Allan Poe Award, die höchste Auszeichnung für Kriminalschriftsteller, verliehen wurde? Und wie ist der Titel seines jüngsten Romans?









