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„Wenn man sagen wird, dieses Stück lehre, dass es nicht erst von gestern her unter allerlei Volke Leute gegeben, die sich über alle geoffenbarte Religion hinweggesetzt hätten, und doch gute Leute gewesen wären; wenn man hinzufügen wird, dass ganz sichtbar meine Absicht darin gegangen sei, dergleichen Leute in einem weniger abscheulichen Lichte vorzustellen, als in welchem der christliche Pöbel sie gemeiniglich erblickt: so werde ich nicht viel dagegen einzuwenden haben.“
Derjenige, der gegen die richtige Einschätzung seines Stückes nichts einzuwenden gehabt hätte, war von Haus aus stark vorbelastet. Der Vater war ein sehr strenger Pastor, seine Mutter Pastorentochter, vermutlich ebenfalls streng. Die Berufswahl für den zweiten Sohn von insgesamt 12 Kindern kam daher nicht sehr überraschend. Der Siebzehnjährige wurde im September 1746 zum Theologie-Studium nach Leipzig geschickt. Was die Eltern vielleicht nicht wussten: Leipzig war damals eine Art Außenstelle von Paris, ein Klein-Paris quasi, eine Stadt der Buchhändler, der Literaten und Gelehrten und des Theaters. Dem jungen Studenten boten sich also reichlich Anregungen und damit auch Ablenkung vom eigentlichen Studienfach. Es war vor allem das Theater, das die Aufmerksamkeit des jungen Mannes erregte. Mit 19 Jahren schrieb er sein erstes Lustspiel, das in Leipzig uraufgeführt wurde. Man ahnt, was nun kommen muss: das Theologiestudium endete am berühmten Nagel, Leipzig wurde gegen Berlin ausgetauscht und das Berufsziel hieß jetzt Schriftsteller. Er arbeitete einige Jahre als Autor, Redakteur und freier Mitarbeiter für das Feuilleton der Vossischen Zeitung und schrieb ein bürgerliches Trauerspiel. Nach dem Siebenjährigen Krieg arbeitete er u.a. als Dramaturg und hauseigener Theaterkritiker in Hamburg. 1770 übernahm er die Stelle als herzöglicher Bibliothekar in dem Residenzstädtchen Wolfenbüttel. Aus dieser Position heraus hatte er 1774 begonnen, eine Reihe mit Schriften theologisch-philosophischen Inhalts herauszugeben. Diese „Fragmente eines Unbekannten“ waren in Wirklichkeit aufklärerische Texte des Orientalisten Hermann Samuel Reimarius, der den Gedanken der Vernunft gegen den Wunderglauben der Bibel und die dogmatische Offenbarungstheologie stellte.
Das ging dem strenggläubigen und über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Hamburger Hauptpastor Goeze zu weit. Er verstand diese Schriften als Angriff auf die orthodoxe Religion und machte seinen Einfluss beim Herzog von Braunschweig geltend. Die Folge war ein Schreibverbot für den Bibliothekar. Aber der wusste, wie er der herzöglichen Zensur ein Schnippchen schlagen konnte.

„Ich muss doch versuchen, ob man mich auf meiner alten Kanzel, dem Theater, wenigstens noch ungestört will predigen lassen.“

Er veröffentlichte das Stück, das er schon seit längerem im Kopf gehabt hatte, unter der Bezeichnung Dramatisches Gedicht, denn über die Gattung Gedichte hatte die Zensurbehörde keine Verfügungsgewalt. Außerdem umging er mit dieser Bezeichnung die Entscheidung zwischen Tragödie und Komödie. Denn sein letztes und wichtigstes Stück hat bei aller Tragik auch sehr komische Seiten. Wenn der Dichter allerdings gewusst hätte, dass die Menschen auch noch nach über 200 Jahren meinen, dass gerade ihre Religion die einzig Seligmachende ist und die anderen Religionen daher nicht akzeptabel, dann hätte er sich vielleicht für die Gattung Tragödie entschieden.
Die Uraufführung, die er nicht mehr miterlebt hat, war kein sehr großer Erfolg. Erst die Inszenierung von Friedrich Schiller 1801 in Weimar sorgte für nachhaltige Resonanz.

Wie heißt der Schriftsteller, der, auf dem Sterbebett, mit dem Satz „Den lassen Sie mir nur weg!“ den bewussten Verzicht auf geistlichen Beistand formulierte? Und wie ist der Titel seines bedeutendsten Stücks, das heute immer noch aktuell ist und es vermutlich auch immer bleiben wird?

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