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Eigentlich weiß man so gut wie nichts aus seinem Leben. Nicht einmal das genaue Geburts- und Sterbedatum. Man könnte also ohne weiteres 2008 seinem 850. Geburtstag gedenken und 2009 ebenso. Es könnte aber auch sein, dass dieses Jubiläum schon verjährt ist. In dieser Hinsicht lässt sich der Dichter nicht festnageln. Genau genommen ist sein schriftstellerisches Werk der einzige Beweis dafür, dass er überhaupt gelebt hat. Und somit ist sein Werk auch das einzige Quellenmaterial, das der Literaturwissenschaft zur Verfügung steht, um ein wenig Licht ins biographische Dunkel dieser Dichterexistenz zu bringen. Glücklicherweise gibt es in seinem Werk einen Ich-Erzähler. Auch wenn man natürlich nicht davon ausgehen kann, dass das „Ich“ des Erzählers mit dem „Ich“ des Autoren identisch ist, so ist es im mittelalterlichen Roman im Vergleich zum neuzeitlichen Roman doch gängig gewesen, dem Erzähler-Ich einige individuelle Züge zu verleihen.
Was man seinem Roman auf jeden Fall entnehmen kann, ist, dass er nicht nur Kenntnisse auf vielen Gebieten der mittelalterlichen Wissenschaften besaß und wahrscheinlich Latein und Französisch beherrschte, sondern dass er auch ein Mann mit Humor war.
„(...) Wollte ich den Bürgern ihre Hungersnot vorwerfen, wäre ich nicht bei Verstand. Denn dort, wo ich vom Pferd steige und wo man „mein Herr“ zu mir sagt, nämlich zu Hause, in meinen vier Wänden, da haben selbst die Mäuse keinen Grund zum Feiern. Die müssten sich ihr Futter schon zusammenstehlen, aber das braucht man nicht vor mir zu verbergen, denn ich finde es nicht einmal am helllichten Tag. Das passiert leider viel zu oft, mir, (....), dass ich an so viel Bequemlichkeit leide.“
Zu seiner Zeit konnte man vom Dichten allein nicht leben. Der Buchdruck war noch nicht erfunden und wer hätte die Bücher auch lesen sollen? Bis auf den Klerus, Notare und wenige Adlige waren alle anderen Menschen Analphabeten. Offensichtlich war er aber trotzdem eine Art Berufsdichter und hatte das Glück, in den Dienst des Landgrafen Hermann I. von Thüringen treten zu dürfen, der damals als bedeutendster Förderer der deutschen Literatur galt.
Der Stoff, den er für seinen ersten Roman verarbeitete, war nicht neu. Er basierte auf mündlichen Erzählungen nach altfranzösischen Quellen. Sehr wahrscheinlich ist, dass er die Fassung seines Dichterkollegen Chrétien de Troyes kannte, diese aber sehr frei bearbeitete und um den doppelten Umfang erweiterte. Entstanden ist ein Heldenepos, das aus 24 810 Reimpaarversen besteht und als Höhepunkt der mittelalterlichen deutschsprachigen Dichtkunst gilt.
Ein Datum, das man diesem Werk entnehmen kann, lässt Rückschlüsse auf die Schaffenszeit seines Urhebers zu. Hier schildert er eine Belagerung und erwähnt in diesem Zusammenhang ein Vorkommnis aus der Zeitgeschichte: (...) „Wurde dort etwas Getreide niedergetreten, so kann ich nichts dafür. Der Erfurter Weingarten behauptet noch jetzt, ihm sei durch Treten die gleiche Bedrängnis widerfahren. Die Füße vieler Pferde verursachten ihm diese Spuren (...).“
Wem es an dieser Stelle gelingt, mit dem Stichwort Erfurter Weingarten ein historisches Ereignis zu assoziieren, der kann die Entstehungszeit des Buches ziemlich eng eingrenzen. Ein kleiner Hinweis für diejenigen, deren Geschichtsgedächtnis ähnlich nebulös ist wie der Lebenslauf des gesuchten Dichters: Der deutsche König Philipp von Schwaben, Sohn Friedrich I. Barbarossa, hatte seinerzeit die Stadt Erfurt belagert und dabei wurde besagter Weingarten verwüstet.
Der Dichter stammte übrigens aus Franken. Der pittoreske Ort, in dem er vermutlich geboren wurde, ist 1917 nachträglich nach ihm umbenannt worden.

Wie ist der Titel des Versromans, der zu den bedeutendesten Werken des Mittelalters zählt und oft rezipiert wurde? Und wie ist der Name des Dichters, über dessen Lebenslauf man nur Vermutungen anstellen kann?

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