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„Als ich ins Hotel Goldenes Prag kam nahm mich der Chef am linken Ohr und zog daran und sagte: „Du bist hier Pikkolo, merk dir das. Du hast nichts gesehen, nichts gehört. Sprich’s mir nach.“ Und so sagte ich, ich hätte im Hause nichts gesehen und nichts gehört. Und der Chef zog mich am rechten Ohr und sagte: „“Und merk dir aber auch, dass du alles sehen und alles hören mußt. Sprich’s mir nach.“ Ich wiederholte verwundert, dass ich alles sehen und alles hören wolle, und so fing ich an.“
Mit diesen Sätzen beginnt der Roman um einen kleinen Lebenskünstler und charmanten Schelm, der sich schon als Lehrling ein Ziel gesetzt hat, nämlich in den Besitz von ausreichend Geld zu kommen. So nimmt er sich auch die Instruktionen seines Vorgesetzten, die vordergründig etwas verwirrend klingen mögen, sehr zu Herzen, und purzelt im folgenden relativ entspannt durchs Leben und dabei die berufliche Karriereleiter empor. Höhepunkt seiner Ausbildung zum Kellner ist das Hotel Paris in Prag, dem ersten Haus am Platz. „Das Hotel Paris war so schön, dass es mich fast umwarf. Die vielen Spiegel, Messinggeländer, Messingklinken und Messingleuchten waren so blankgewienert, dass man sich in einem goldenen Palast wähnte. Und überall rote Teppiche und Glastüren, ganz wie in einem Schloss. Herr Brandejs empfing mich zuvorkommend und führte mich zu meinem Kämmerchen, einem provisorischen Dachstübchen, von wo man einen so hübschen Ausblick auf Prag hatte, dass ich mir vornahm, alles dranzusetzen – allein schon des Ausblicks und der Ruhe wegen -, für immer hierzubleiben.“
Geblieben ist er im schönen Hotel Paris dann doch nicht für immer, denn sein Ziel, selbst Hotelier und in Folge hoffentlich auch Millionär zu werden, hat er nicht aus den Augen verloren. Wie er allerdings gegen Ende des Zweiten Weltkrieges unvermutet in den Besitz von sehr viel Geld kommt, das ihm nach der kommunistischen Machtübernahme dann genauso unvermutet wieder abgenommen wird und er als Dreingabe noch im Internierungslager für Millionäre landet, erzählt der Autor mit viel schelmischen Humor und feiner Ironie. Sein Roman erschien 1982 im Untergrund. Er war einer der wenigen Künstler, die nach dem Prager Frühling in der Heimat geblieben sind und ihre Werke nur mit Einschränkungen veröffentlichen konnten.
Anfang 2007 jährte sich der 10. Todestag des bekannten Schriftstellers. Er kam auf etwas ungewöhnliche Weise ums Leben. Es hieß, er sei beim Taubenfüttern aus dem Fenster eines Krankenhauses gestürzt. Ich erinnere mich noch gut, wie ein Kollege mir damals seine Vermutung unterbreitete, dass es sich bei diesem „Prager Fenstersturz“ womöglich gar nicht um einen Unfall gehandelt haben könnte. Einem Schelm wie der Autor wohl einer war, wäre so ein Abgang zu zutrauen.
Anlässlich seines 10. Todestag wurde der Roman von einem befreundeten Regisseur verfilmt. Ob der Autor mit der Verfilmung zufrieden gewesen wäre, weiß ich nicht. Vielleicht hätte es ihn gestört, dass das legendäre Hotel Paris sich leider nicht selbst spielen durfte. Die Rolle für die Innenaufnahmen wurde vom französischen Restaurant im Prager Repräsentationshaus, dem Obecní dum, übernommen. Das liegt schräg gegenüber, quasi auf Sichtweite vom Hotel Paris, und ist mit seinem prächtigen Jugendstildekor eine mehr als würdige Vertretung gewesen.

Wie ist der Name des Schriftstellers, der zu den wichtigsten literarischen Vertretern seines Landes zählt? Und in welchem Roman hat er dem Hotel Paris ein literarisches Denkmal gesetzt? Wenn Sie hier klicken, bekommen Sie 3 Lösungsvorschläge
 
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