Er hätte alles werden können. Allerdings alles nur mittelmäßig, behauptete er von sich selbst. Während der Schulzeit hatte er keine „besonders markante literarische Begabung entfaltet“. Natürlich schrieb auch er im jugendlichen Alter ein paar Gedichte, aber das ging vorüber. Trotzdem wollte er mit 18 Jahren Schriftsteller werden, aber auf dringendes Anraten seitens seines Onkels und seiner Mutter - der Vater hatte die Familie verlassen, als er noch ein kleines Kind war - begann er eine Beamtenlaufbahn. Aber die Arbeit beim britischen Marineministerium schmeckte ihm nicht. 1908 begann er als freier Journalist zu arbeiten, später dann als Buchhalter. Bis zum ersten Kriminalroman sollte es noch eine ganze Weile dauern. Erst 1933 erschien seine erste Kurzgeschichte im Magazin Black Mask. Und 1935 trat zum ersten Mal eine Figur in einer der Kurzgeschichten in Erscheinung, die später zu einem legendären Serienheld werden sollte. 1939 wurde sein erster Roman veröffentlicht, der allerdings von der Kritik gänzlich ignoriert wurde, ebenso wie die nächsten Romane mit dem markanten Privatdetektiv. Erst als Hollywood auf den Autoren aufmerksam wurde und ihn als Drehbuchautor engagierte, begann der Erfolgskurs. Er schrieb u.a. für Billy Wilder, seine Romane und Stories wurden verfilmt und er wurde reich und berühmt.
Nur ein Krimischriftsteller?
Die Londoner Times schrieb 1959 in ihrem Nachruf: „Sein Name wird mit Sicherheit in das runde Dutzend jener Kriminalschriftsteller eingehen, die auch Neuerer und Stilisten waren; die nach dem gewöhnlichen Erz des Kriminalromans gruben und das Gold der Literatur zutage förderten.“
Anfang der 70iger Jahre bemühte sich sogar der Insel Verlag um die Rechte des amerikanischen Autoren für eine deutsche Neuausgabe, u.a. auf Anregung von so hochkarätigen Schriftstellern wie Ingeborg Bachmann, Uwe Johnson und Günter Eich, die gemeinsam mit dem Verlag bedauerten, dass der Kollege „im deutschsprachigen Raum nur als >Krimischriftsteller> bekannt ist.“ Bis dato gab es seine Bücher im deutschsprachigen Raum tatsächlich lediglich als billige Taschenbuchausgabe, gekürzt und schlecht übersetzt. Aber das sollte sich ändern. 1976 erschien die neuübersetzte Werkausgabe in neun Bänden, allerdings nicht im Insel Verlag.
Immer Ärger mit den Bullen
„Ich habe keinen von ihnen allen wiedergesehen – außer den Bullen. Von denen Abschied zu nehmen, ist noch kein Mittel erfunden worden.“ Mit diesen Worten endet der sechste und damit vorletzte Roman mit dem Prototyp des Privatdetektivs, einsamer Wolf und Mann von Ehre, immer mit einem ironischen Spruch auf den Lippen. Veröffentlicht wurde das Buch im November 1953 in England, im März 1954 in Amerika. Ende 1954 stirbt die Ehefrau des Autoren und an diesem Punkt gerät sein Leben aus der Bahn. 1958 erscheint der letzte Kriminalroman. 1959 wird er zum Präsident der Mystery Writers of America ernannt, eine Ehrung, die er folgendermaßen kommentiert: (...) Ich bin sicher, Sie wissen, dass ich diese Ehre nur als Zeichen der Würdigung einer langen Laufbahn nehme und keineswegs persönlich. Ich fühle mich ihrer eigentlich sehr unwürdig, aber ich nehme an, dass es Gründe geben muß, weshalb ich gewählt worden bin, auch wenn diese Gründe mir dunkel sind. Es ist wahr, ich haben den größten Teil meines Lebens über dem Versuch zugebracht, aus dem Kriminalroman etwas zu machen – ein wenig mehr vielleicht, als ihm ursprünglich zugedacht worden war - , aber ich mir ganz und gar nicht sicher, ob mir das auch gelungen ist....“
Es ist ihm definitiv gelungen. Leider kommt er nicht mehr dazu, dieses ehrenvolle Amt ausfüllen. Er stirbt am 26. März 1959 in La Jolla, Kalifornien.
Wie heißt der sechste und vorletzte Roman, für den er 1955 den Edgar Allan Poe Award erhielt? Und wie ist der Name des erfolgreichen Schriftsteller?
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