Buchtipps von Kati Fräntzel
Es.Tut.Mir.So.Leid
12,90 €188 S.
Die Geschichte ist keine einfache, denn wir – die Leser – kennen sie nicht, sondern nur ihre Auswirkungen. Vor allem die Auswirkungen auf Logan, Protagonist und Nicht-Held dieses Buches. Logan spricht nicht. Logan spielt nicht. Logan wehrt sich nicht gegen die, die ihn piesacken. Aber der 13jährige Logan ist nicht das klassische Mobbing-Opfer; es ist klar, dass es ein riesiges, dunkles Geheimnis gibt in seiner nicht allzu vergangenen Vergangenheit.
Dabei ist es kein richtiges Geheimnis, denn alle wissen Bescheid – alle, außer dem Leser. Wir erfahren anfangs nur, dass Logan mit seiner ganzen Familie nach einem „Vorfall“ umziehen musste, dass seine Mutter, um ihm Wege zu ebnen, die Nachbarn „informiert“ hat und dass Logan es seitdem immer schwerer hat.
Bis ihm eines Tages eine Mitschülerin einen Zettel zusteckt. Zuerst erwartet er weitere Gemeinheiten, doch stattdessen findet er ein Palindrom: einen kurzen Satz, den man vorwärts wie rückwärts lesen kann. Diesem ersten Zettel folgen weitere und bald auch erste verbale Gespräche mit der Schreiberin. Das überrascht ihn, wirft ihn aus seiner stummen Bahn und öffnet ihm nach und nach eine Möglichkeit über das zu sprechen, was geschehen ist.
Sehr sensibel und genau schildert die Autorin, was mit diesem verschreckten Jungen geschehen ist und geschieht, und zeigt die Verstummung ihres Protagonisten ist immer wiederkehrenden Dialogen auf, die kaum noch Dialoge sind. Dabei flicht sie ihre Palindrome auf so geschickte Weise in die Geschichte ein, dass sie nie zu schwermütig oder bedrückend wird für den Leser, denn wer kann bei „Na, Fakir, Paprika-Fan?“ oder „Einhorn roh? Nie!“ schwermütig werden?
Ein wunderbares Buch für alle, die sich von jeder Form von Sprache begeistern lassen – auch wenn diese Form manchmal aus Schweigen besteht.
RezensentIn: Kati Fräntzel
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