Buchtipps
Arne Dahl
Gier
16,99 €505 S.
Arne Dahl wählte in seinem neuesten Thriller, zugleich Beginn einer weiteren mehrteiligen Reihe, die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise als Bühne für das Geschehen. Rund um den realen G20-Gipfel in London im April 2009 rankt er eine clever ausgefeilte Story, in der sich nahezu sämtliche Felder der Kriminalität wiederfinden: Drogen- und Menschenschmuggel, Banken- und Wirtschafts-kriminalität, Mafia und N´drangheta, Korruption und Bestechlichkeit. Dem entgegen stellt sich ein neu formiertes und noch geheimes Ermittlerteam von Europol, geleitet von Paul Hjelm, treuen Dahl-Lesern bekannter schwedischer Kommissar.
Es beginnt in London mit dem scheinbaren Unfalltod eines Chinesen, der einem der Europolermittler noch unverständliche Worte ins Ohr flüstert, bevor er stirbt. Eine zweite, seltsam arrangierte Leiche gibt dem Team den Anstoß, europaweite Ermittlungen aufzunehmen. Ein weiterer Fall beginnt in Schweden, wo die dortige Polizei einem Umweltverbrechen auf die Spur kommt in einer Möbelfabrik, die offensichtlich mit Geldern aus Mafiakreisen gestützt wurde. Ein privater Sicherheitsdienstleister taucht in beiden Fällen auf. Hängen sie zusammen? Dem Team (und dem Leser) wird mit der Zeit klar, dass sie es mit global operierenden Gegnern zu tun haben, die vor gar nichts zurückschrecken.
Oft verhält es sich bei solchen Parforceritten durch das Strafgesetzbuch ja nun so, dass es irgendwann einfach mal zuviel des Bösen ist und der Leser den Kopf erst schüttelt, bevor er ihn abwendet. Hier aber scheint die Kombination unterschiedlicher Verbrechen aber nicht völlig überzeichnet, sondern eher als möglich. Dahl schafft es mit den realen Hintergründen, plausiblen Folgen und einer nachvollziehbaren „Lösung“, dass dem Leser kaum Zweifel kommen. Und warum sollte es nicht genau so passieren? Warum sollte Menschenhandel nicht mit Umweltverbrechen zusammenhängen? Wessen Interessen dienen private Sicherheitsunternehmen letztlich? Dahl rückt die globalen Aktivitäten skrupelloser Banker (von den es ja genug in den Zeitungen zu lesen gab) auf ein Niveau mit weltumspannenden mafiösen Strukturen, die allesamt nur durch die Gier der Handelnden funktionieren – reibungslos ineinander greifend, wie auf Zuruf funktionierend. Ein erschreckendes Szenario, wegen seiner gigantischen Ausmaße und aufgrund seiner Realitätsnähe. Das ist dem Autor wirklich gut gelungen.
Angesichts des Aufwands ist Gier allerdings ein recht einfaches Motiv für die komplexen Geschehnisse. Auch bei der Beschreibung seiner Protagonisten fällt Dahl nicht viel mehr ein als platte Stereotypen (der „untadelige Spanier“, der „immer für einen Spaß aufgelegte“ Pole oder das „pedantische Schulmädchengebahren“ der Deutschen - nun ja...).
Aber um was geht es letztlich? Nicht um Nobelpreise oder gute Kritiken, sondern um glänzende, fesselnde, spannende Unterhaltung. Und die liefert Arne Dahl mit „Gier“ allemal!
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RezensentIn: Thomas Wolter
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